Andrea Johlige bloggt
Politisches und Persönliches – Einsichten und Ansichten

Abgeordnete von Freier Wählergemeinschaft udn SPD verweigern Bürgerinnen und Bürgern Entscheidung über Abwahl des Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz

Ja, es war ein Trauerspiel. Den (wenigen) BürgerInnen, die zur heutigen Sondersitzung der Gemeindevertretung der Gemeinde Dallgow-Döberitz gefunden hatten, wurde ein Schaspiel der besonderen Art geliefert. Schon seit Wochen waren die Frage, ob der Bürgermeister sich einem Abwahlverfahren stellen muss, hoch umstritten. Es hatten sich 10 GemeindevetreterInnen aus FDP, CDU, LINKEN, Grünen und SPD gefunden, die den Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde die Möglichkeit geben wollten, über den Verbleib des Bürgermeisters im Amt zu entscheiden. Vorausgegangen war (das ist hier im Blog intensiv in allen Einzelheiten nachzulesen) die Verschwendung von 650000 € für das Sportplatzgebäude an der B5 (auch “Millionendusche” genannt).

Ein Sonderausschuss hatte über Monate die Vorgänge versaucht aufzuklären, war aber oftmals an der mangelnden Mitarbeit der Gemeindeverwaltung  gecsheitert. Auch das rechnungsprüfungsamt des Kreises war befasst und hat einen Bericht vorgelegt. Sowohl aus den Ergebnissen des Ausschusses als auch dem Rechnungsprüfungsbericht ist ersichtlich, dass dem Bürgermeister eklatantes Versagen hinsichtlich der Führung der Verwaltung und der Kostenkontrolle nachzuweisen sind. Hinzu kommt, dass er ohne Legitimation einen Auftrag ausgelöst und auch im Nachhinein nicht über diese Auftragsauslösung informiert hat, was in der Folge dazu führte, dass das Projekt nicht mehr zu stoppen war. Und auch bei der Aufklärung der Vorgänge war der Bügermeister nicht behilflich: Nichts wissen, nichts sehen und nichts sagen war sein Motto in den letzten Monaten, womit er versuchte, sein eigenes Fehlverhalten zu verschleiern. Wir erfuhren sogar, dass er ja von allem nichts wusste und auch erst aus der Zeitung erfuhr, dass das größte (und einzige) Bauprojekt der Gemeinde kostenmäßig von geplanten 516000 € auf satte 1,196 Millionen € angewachsen ist.

Der Abwahlantrag am heutigen Tag stand aber unter keinem guten Stern. Es war schon schwierig, die notwendigen 10 Unterschriften zur Einbringung des Antrags zusammenzubekommen. Für den Beschluss war jedoch eine 2/3-Mehrheit der gesetzlichen VertreterInnen (inkl. Bürgermeister) notwendig. Es war vorhersehbar, dass diese Mehrhait von 12 Angeordneten nicht zustande kommen würde. Die Begründungen für ein nein zum Antrag waren dann aber doch Trauerspiel-würdig.

Die Freien Wähler (immerhin waren 2 von 5 anwesend, nachdem die Gemeindevertretung wegen ähnlicher Anwesenheitsquoten den Antrag bereits einmal vertragt hatte) erklärten, alles sei nicht schlimm und die Gemeindevertretung sei vor allem Schuld, deshalb dürfe man den Bürgermeister nicht in die Pflicht nehmen und lieber sollten die Gemeindevertreter ihre Ämter zur Verfügung stellen. Angesichts der Tatsache, dass die Freien Wähler bei nur einer Sonderausschusssitzung anwesend waren und sich rien gar nicht an der Aufklärung der Vorgänge beteiligt haben, kann man das wohl als “wir stützen unseren Bürgermeister egal welche Scheißem er gebaut hat” abhaken.

Die SPD-Abgeordneten Maidhof und Janssen waren da subtiler. Im Kern wurde uns erklärt, dass die BürgerInnen doch mal schön selbst über ein Bürgerbegehren die Abwahl des Bürgermeisters initiieren sollten. Die Gemeindevertretung selbst sei dazu nicht legitimiert (warum die Möglichkeit der Einleitung eines solchen Verfahrens durch die Gemeindevertretung dann in der Kommunalverfassung geregelt ist, bleibt Geheimnis der SPD…). Das sagt übrigens die SPD, die noch vor Kurzem einen Bürgerhaushalt für die Gemeinde gefordert hat (dem wir selbstverständlich zugestimmt haben). Die SPD im Ort hat aber schon oft zur Schau gestellt, dass sie Bürgerbeteiligung immer nur dann will, wenn sie ihr politisch nützlich erscheint. Auch die Verweigerung von längeren Öffnungszeiten der Verwaltung an einem (!!!) Tag, um auch den BürgerInnen, die erst abends von der Arbeit zurück sind, die Möglichkeit zu eröffnen, ein Volksbegehren zu unterzeichnen, hatten wir schon… Immerhin sagte der Fraktkionsvorsitzender der SPD, Herr Maidhof, wenn sich innherhalt eines halben Jahres in der Verwaltung in Verantwortung des Bürgermeisters nichts ändere, werde er persönlich eine Abwahl des Bürgermeisters fordern. Nun, wir werden die SPD an dieser Aussage messen.

So kam es, wie es kommen musste: 10 GemeindevertreterInnen stimmten für den Antrag zur Einleitung eines Abwahlverfahrens. 12 Stimmen wären notwendig gewesen, um den Antrag anzunehmen.Damit haben wir in der Gemeinde die Situation, dass die Mehrheit der Gemeindevertreter den Bürgermeister für untragbar hält. Trauerspiel hin oder her – wir werden natürlich weiterhin versuchen, trotz des Bürgermeisters sinnvolle und wichtige Entscheidungen für die Gemeinde zu fällen. Und dennoch bleibt ein Nachgeschmack: Da sich trotzdem ein halbes Jahr seitdem klar wurde, was alles falsch gelaufen ist, vergangen ist, hat sich in der Gemeindeverwaltung rein gar nichts geändert. Demnach ist es nur eine Frage der Zeit, wann die nächste Kostenexplosion bei einem Projekt zu erwarten ist.

Das Trauerspiel geht also in die nächste Runde…

Sommertour der Landesgruppe Brandenburg der Bundestagsfraktion der LINKEN machte Station bei Sielmanns Naturlandschaften

Alljährlich sind die Abgeordneten der Landesgruppe Brandenburg der Bundestagsfraktion der LINKEN am Anfang der Sommerferien im Land unterwegs – auch außerhalb ihrer sonst schwerpunktmäßig betreuten Wahlkreise.

Im Havelland waren die Stationen in diesem Jahr ein Besuch beim Bürgermeister in Nauen, beim Leonardo da Vinci-Campus und bei den Sielmanns Naturlandschaften in Elstal.

Als Lokalpolitikerin begleitete ich die Bundestagsabgeordnete Sabine Stüber zur Sielmann-Stiftung. Neben einer interessanten Begehung des Schaugeheges und einer Fahrt in die Heide unter sachkundiger Führung von Herrn Nitschke ging es natürlich auch um die Arbeit der Sielmann-Stiftung, die kleinen und goßen Sorgen bei der Finanzierung des Projektes in der Döberitzer Heide. Hier konnten wir an einigen Stellen Unterstützung zusagen.

Gleichzeitig betonten wir unsere Unterstützung für den in der Döberitzer Heide geplanten Naturfiredhof. Hier können Urnen- Bestattungen an schönen Orten in der Heide stattfinden, die Umsatzerlöse gehen zur Hälfte an die Sielmanns Naturlandschaften, die diese Gelder wiederum in das projekt investiert.

Auch zum Thema Solarpark in der Döberitzer Heide kam es zum Gedankenaustausch. Wir äußerten ein weiteres Mal die Bedenken, dass ein Naturschutzgebiet mit nicht nur einem Schutzstatus und verschiedenen seltenen Tier- und Pflanzenarten nicht der richtige Ort für die Errichtung eines Solarparks zu sein scheint, obwohl wir ansonsten natürlich Solarenergie als notwendige Investition in die Zukunft betrachten.  Hier gab es naturgemäß keine Einigung, jedoch das Versprechen miteinander im Gespräch zu bleiben und Kompromissvorschläge auszuloten.

Tiefpunkt politischer Kultur – von Brunnenvergiftern und Hitler-Stalin-Relativierungen

Alle diskutieren darüber, ob die Strategie der LINKEN, Joachim Gauck nicht zu wählen, die richtige war. Was haben wir als LINKE nicht alles für Gründe gefunden, weshalb das ganz sicher nicht geht. Einer, der immer wieder zu hören war: Joachim Gauck ist ein NS-Relativierer. Ich will hier weder diesen noch alle anderen Gründe bewerten. Über unser Auftreten in den letzten Wochen werden wir sicher noch zu reden haben und die Analyse unserer Strategie steht ebenfalls noch aus. Aber an einer Stelle muss ich mich gleich zu Wort melden, weil ich finde, das geht so nicht.

Die politische Kultur einer Partei sagt etwas über deren Zustand aus. Und das genutzte Wort, zumal gegenüber den Medien, sollte und alle mehrmals zum Nachdenken anregen, bevor wir es erheben. Gerade von einem Medienprofi wie Diether Dehm erwarte ich das und gehe davon aus, dass er nicht unbedacht einem Journalisten einen O-Ton gibt.

Als ich las, dass Diether Dehm den Kandidaten Gauck als “Brunnenvergifter” (nachzulesen hier) bezeichnet habe, hielt ich das für eine nicht gerade gelungene Äußerung, hielt ihm aber noch zu Gute, er könnte sich einfach unbedacht in der Tinlage vergriffen haben. (Ich muss politisch denkenden Menschen vermutlich nicht erläutern, dass das hier verwendete Schimpfwort in der langen Tradition der Hetze gegen Juden steht und sich schon deshalb in der politischen Kommunikation der LINKEN verbietet.) Als ich dann allerdings in der Welt den Ticker zur Bundespräsidentenwahl las und zur Uhrzeit 17.30 Uhr vordrang, stellte ich fest, dass Diether Dehm diese politische “Kultur” wohl nicht unbedacht gewählt, sondern dies bei ihm System hat, antwortet er doch als Kommentar zum Stimmverhalten der LINKEN: „Was würden sie tun, wenn sie die Wahl hätten zwischen Hitler und Stalin?“ (nachzulesen hier, 17.30 Uhr, 2. Seite)

Ja hallo? Die Wahl zwischen Hitler und Stalin? Ich erspare mir hier, die Verbrechen beider detailliert aufzuführen, den LeserInnen dieses Blogs sind sie sicher bekannt. Ich erspare mir auch die Frage, welcher der beiden Kandidaten mit welcher der beiden Vergleichpersonen assoziiert werden sollen. Und offen gestanden war mein Entsetzen über diesen Vergleich so groß, dass ich fast glauben wollte, er sei so nicht geäußert worden. Nur leider steht er eben in einer Reihe mit dem Zitat oben.

Deshalb bleiben mir nur folgende Feststellungen:

1. Dieser Vergleich zweier Kandidaten für das Präsidentenamt, die sicher beide nicht als links zu bezeichnen, jedoch einer demokratischen Gesellschaft verpflichtet sind, mit zwei Diktatoren und Massenmördern der Geschichte zeugt von Geschichtsvergessenheit, mangelndem Maß im politischen Wort und dem notwendigen Respekt vor der Demokratie in diesem Land.

2. Für einen Bundestagsabgeordneten der LINKEN ist diese Form der politischen Auseinandersetzung unwürdig und bedarf mindestens einer Entschuldigung gegenüber den betroffenen Präsidentschaftskandidaten.

3. Die Partei, deren Landesvorsitzender Diether Dehm ist, und die Fraktion, der er angehört, sollte eine deutliche Antwort auf diesen Tiefschlag politischer Kultur finden und sich ausdrücklich davon distanzieren.

4. Eine Auseinandersetzung um die politische Kultur, die wir im Umgang mit unserer Mitbewerbern pflegen, sollte unbedingt stattfinden. Ich persönlich möchte in keiner Partei sein, in der die Relativierung von Nazismus und Stalinismus Bestandteil der politischen Auseinandersetzung ist.

Ergänzung: im Morgenmagazin wurde der o-Ton ebenfalls nochmal gezeigt http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/446#/beitrag/video/1080204/Linke-enthalten-sich-im-drittem-Wahlgang (bei ca. 52 Sekunden geht das Statement los)

Verrenkungen der Zählgemeinschaft – Antrag gegen das Kohlekraftwerk in Arneburg abgelehnt

Auf der Fahrt zur Kreistagssitzung habe ich mir Gedanken gemacht, was der Zählgemeinschaft bestehend aus CDU, SPD, FDP und Bauern+ dieses Mal einfallen wird, um unseren Antrag abzulehnen. Beantragt hatten die Fraktion DIE LINKE und die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, dass der Kreistag sich gegen die Pläne des Energiekonzerns RWE ausspricht, im benachbarten Arneburg (Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt) ein Steinkohlekraftwerk zu errichten.

Unsere Argumentation für den Antrag könnte man folgendermaßen zusammenfassen:  Steinkohlekraftwerke sind eine Sackgassentechnologie. Sie helfen weder den notwendigen Übergang zu nachhaltigem Wirtschaften und nachhaltiger Energiegewinnung zu ebnen, noch sind Steinkohlekraftwerke klimafreundlich, auch nicht wenn sie modern sind. Im Gegenteil, selbst modernste Kraftwerke erreichen nur einen geringen Wirkungsgrad von maximal 45%, der Rest wird als Wärme an die Umwelt – in dem Fall über die Rückleitung des Kühlwassers an die Elbe und über die Kühltürme an die Luft abgegeben – und sie verpesten die Luft: 9 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr sind für Arneburg zu erwarten. Damit sorgt das Kraftwerk weiterhin für Klimaschäden. Da kann man immer weiter versuchen schönzureden, aber es bleibt dabei: Kohlekraftwerke führen in die klimapolitische Sackgasse.

Es braucht zur Bewältigung der durch den Klimawandel zu erwartenden Krisen eine völlig andere Strategie. Die Stromversorgung muss dezentralisiert und die Großkraftwerke müssen durch kleinere und daher flexiblere Einheiten mit Kraft-Wärmekopplung bis hin zu virtuellen Kraftwerken  ersetzt werden. Damit ist nicht nur eine effizientere Nutzung der Energieressourcen verbunden, sondern eine bessere Einbindung dieser Kraftwerke in die Nutzung der regenerativen Energieträger. Für einen Verbund dezentraler, kleiner Kraftwerke mit Windkraftanlagen, Solaranlagen und Biogasanlagen usw. ist das Netz so nachzurüsten, dass Einspeisung und Verbrauch im Gleichgewicht sind.

Dadurch würde sich das geplante Kraftwerk in Arneburg erübrigen. Durch dieses Kraftwerk wäre eine Landschaft betroffen, die mit großflächigen Schutzgebieten (Internationale Vogelschutzgebiete, Biosphärenreservate, Naturschutzgebiete, Naturparks) und einem freien Flusslauf der Elbe für Natur und Gesundheit steht. Hier eine Industriezone zu schaffen, bestehend aus einem Großkraftwerk für Steinkohle mit ausgebautem Hafen, einer CO2-Abscheidungsfabrik und deren Pipeline zu einem CO2-Endlager in der Altmark, würde bedeuten, die wertvolle Natur der Altmark aber auch der angrenzenden Havelregion den Profitinteressen von RWE zu opfern.

Inhaltlich sind sicher nicht alle, wohl aber einige Kreistagsabgeordnete der Zählgemeinschaft unserer Meinung, doch, wie sollte es anders sein, die Zählgemeinschaft hat ein weiteres Mal geschlossen einen Antrag der Opposition abgelehnt – nicht weil sie gute Argumente hatte, sondern weil es einfach ums Prinzip geht. So waren wir eigentlich nur noch gespannt, was die Begründung sein würde. Nun, da brauchte es Verrenkungen, doch sie sind der Zählgemeinschaft gelungen (wobei wir auf die “Ent”-renkungen gespannt sein dürfen…).

Vom Redner der SPD hörten wir, der Kreistag habe über die Errichtung des Kraftwerks nicht zu entscheiden (was stimmt, nur hatten wir das auch nicht beantragt) und es würde bei der Bevölkerung der Eindruck erweckt, wir könnten die Kraftwerkspläne verhindern, würden wir dies hier beschließen. Das muss man sich mal vorstellen: Gewählte Abgeordnete weigern sich, zu einem Projekt Stellung zu nehmen, das in wertvolle Naturräume des eigenen Landkreises eingreift, das die Luft auch im Havelland verpestet und das Projekten wie der  BuGa oder der Entwicklung eines sanften Tourismus entgegensteht, mit der Begründung, man wolle keine falschen Erwartungen wecken. Die Bürgerinnen und Bürger der Havelregion haben ganz klare Erwartungen: Sie erwarten die Unterstützung der Politik für ihren Einsatz gegen die Kraftwerkspläne.

Die angeblich nicht vorhandene Zuständigkeit ist in diesem Zusammenhang aber die größere Verrenkung: Wer, wenn nicht der Kreistag soll denn RWE und der Gemeinde Arneburg mitteilen, dass das Kraftwerk nicht gewollt ist? Wer sonst, als die von den Bürgerinnen und Bürgern gewählten Vertreter sollten hier eine Zuständigkeit besitzen?

Weitere Verrenkungen sahen wir bei der CDU, die mitteilte, man solle ersteinmal die Energieprojekte im eigenen Kreis bereden, bevor man sich um andere kümmere. Es mag der CDU entgangen sein, gerade DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen beschäftigen sich intensiv mit Projekten in Wustermark (Gaskraftwerk) oder Dallgow-Döberitz (Solarpark). Unklar blieb aber, wieso dies eine Begründung zur Ablehnung unseres Antrages sein sollte.

Und auch die FDP ließ sich nicht lumpen: Es gäbe doch gar kein Projekt, da könne man auch nichts beschließen.

So haben wir wieder eindrucksvoll bewiesen bekommen, dass die Zählgemeinschaft selbst heftigste Verrenkungen nicht scheut, nur um keinem Antrag der Opposition zustimmen zu müssen. Ich denke ernsthaft darüber nach, ob wir beim nächsten Mal den Antrag stellen sollten, dass der Kreistag sich dafür ausspricht, dass der Sommer warm wird. Die Gegenargumentation ist schon klar: Der Kreistag ist nicht zuständig ;-)

Antrag auf Abwahl des Bürgermeisters nun doch in Gemeindevertretung

Noch heute gegen 19 Uhr glaubte ich, dass wir mit unserer Initiative zur Abwahl des Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz nicht einmal bis in die Sitzung der Gemeindevertretung vordringen. Gegen 19.20 Uhr war alles anders: eine Abgeordnete der SPD hat sich entschlossen, den Antrag zu unterstützen. Damit ist die Voraussetzung zur Einbringung des Antrags – 50% der Mitglieder der Gemeindevertretung – erreicht.

Für die Einleitung des Abwahlverfahrens, bei dem die Bürgerinnen und Bürger entscheiden können, ob sie dem Bürgermeister das Vertrauen entziehen oder nicht, braucht es aber eine 2/3-Mehrheit (13 Stimmen) in der Gemeindevertretung. Dieses Quorum liegt bisher in weiter Ferne (die ferne ist hier definiert als 3 Stimmen). Dennoch ist die Erreichung der Einbringung in die Gemeindevertretung ein erster Schritt. Zumindest ist es nun möglich, die Auseinandersetzung in der Gemeindevertretung zu führen. Dies finde ich angesichts der Vorwürfe und Vorkommnisse auch sehr wichtig, wenn dieses Gremium seiner Verantwortung für die Gemeinde gerecht werden will.

Initiative zur Abwahl des Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz gescheitert – zumindest vorerst

Der Märkischen Allgemeinen war in der Ausgabe am 5. Juni zu entnehmen, dass die Initiative zur Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen den Bürgermeister der Gemeinde Dallgow-Döberitz, Jürgen Hemberger, vorerst gescheitert ist. Vorangegangen war eine Initiative von CDU, Teilen der FDP und der Fraktion DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen, in der Gemeindevertretung zu beantragen, dass ein Abwahlverfahren eingeleitet wird.

Für die Einbringung dieses Antrages in die Gemeindevertretung braucht es 10 Unterschriften – 9 Unterschriften trägt der Antrag: Kristin Adler (CDU), Petra Budke (Bü90/Grüne), Wolfgang Erdmann (CDU), Michael Hornhardt (CDU), Andrea Johlige (LINKE), Edelgard Madler (CDU), Sven Richter (FDP), Dagmar Schubert (LINKE) und Jörg Vahl (CDU) wollten den Weg frei machen, dass die Bürgerinnen und Bürger entscheiden können, ob der Bürgermeister im Amt bleiben soll oder nicht. Die Mitglieder der Gemeindevertretung der Freien Wähler, der SPD sowie ein Mitglied der FDP-Fraktion und der Bürgermeister selbst haben bisher diesen Antrag nicht unterschrieben.  Damit kann der Antrag nicht eingebracht werden – er würde aber vermutlich eh die erfolderliche 2/3-Mehrheit, die zum Beschluss in der Gemeindevertretung notwendig sind, verfehlen.

Interessant ist die Begründung, die ein Teil der SPD uns nun präsentiert: Sie sähe keinen besseren Kandidaten. Wir lernen daraus: In Verantwortung eines Bürgermeisters können 650.000 Euro verschwendet werden, er kann die Verwaltung schleifen lassen, muss nicht führen, muss Beschlüsse der Gemeindevertretung nicht befolgen bzw. kann sogar gegenteilig handeln oder sie auch aussitzen, informieren muss er die Gemeindevertretung auch nicht, muss auch nach Monaten Debatte zur Geldverschwendung keinerlei Schlussfolgerungen ziehen, zumindest solange kein “besserer” Kandidat in Sicht ist. Den Bürgerinnen und Bürgern wird also die Möglichkeit verwehrt, nach den skandalösen Vorkommnissen in der Gemeinde zu entscheiden, ob sie mit diesem Bürgermeister weiter leben wollen.

Zur Rolle der Freien Wähler ist zu sagen, dass es natürlich verständlich ist, dass sie ihren Bürgermeister verteidigen. Interessant ist aber, dass die Teilnahme der FWG an der Aufklärung der Vorgänge um die Millionendusche eher unterdurchschnittlich ist. Zur bislang letzten Sitzung des Sonderausschusses, der sich mit diesen Vorkommnissen beschäftigt, was KEIN Mitglied der Gemeindevertretung, der der FWG-Fraktion angehört, anwesend. Scheinbar ist die FWG-Fraktion also eher wenig an der Aufklärung interessiert. Dass sie die Vorgänge aber nicht so schlimm findet, weiß sie schon lange.

Und wie nun weiter? Die Fraktionen DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion der CDU sowie ein Gemeindevertreter der FDP haben sich geeinigt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und nun ein Bürgerbegehren für die Abwahl des Bürgermeisters zu starten. Noch sind letzte Abstimmungen mit der Kommunalaufsicht notwendig, doch werden vermutlich Mitte Juni die bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, per Unterschrift einen Bürgerentscheid mit dem Ziel der Abwahl des Bürgermeisters zu unterstützen. 1700 Unterschriften braucht es dafür. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Packen wir es an!

Brief des Kreisvorstandes der LINKEN Havelland an den Parteivorstand der LINKEN

Rathenow, 3. Juni 2010

Liebe Genossinnen und Genossen des Bundesvorstandes, liebe Genossinnen Lötzsch und Lay, liebe Genossen Ernst, Dreibus und Maurer,

mit Befremden haben wir von eurem Beschluss Kenntnis erlangt, dass die Parteiämter Parteivorsitzende, BundesgeschäftsführerInnen und Parteibildungsbeauftragte hauptamtlich ausgeübt werden und der Bundesschatzmeister mit den einzelnen AmtsinhaberInnen Verträge über die Höhe der Bezüge abschließt. Zwar erwähnt ihr in eurem Beschluss, dass die Bezüge aus dem Abgeordnetenmandat, das alle AmtsinhaberInnen parallel innehaben, berücksichtigt werden sollen, aber auch Verluste aus bisherigen Arbeitsverhältnissen sollen in die Höhe der Bezüge eingehen und die Bezüge dürfen insgesamt den bisherigen Haushaltsansatz (in Höhe von 240.000 Euro jährlich, aus diesen wurde jedoch bisher der Schatzmeister finanziert, der kein Abgeordnetenmandat inne hatte) nicht überschreiten.

Wir stellen dazu fest:

  1. Es ist absolut unverständlich, weshalb der Bundesvorstand vom bisherigen Konsens innerhalb der Partei, dass Parteiämter nur dann hauptamtlich sind, wenn die AmtsinhaberInnen keine Mandate innehaben, abrückt. Bisher gab es unseres Wissens maximal die Aufstockung der Bezüge bis zur Höhe der Bezüge einer/s stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden im Bundestag. Vier der fünf „betroffenen“ AmtsinhaberInnen sind aber bereits stellvertretende Fraktionsvorsitzende und haben demnach bereits jetzt höhere Bezüge aus ihrem Abgeordnetenmandat. Zusätzliche Bezüge aus den durchaus knappen Finanzen der Partei erscheinen uns unangebracht und auch unnötig.
  2. Auch die Höhe der zur Verfügung stehenden Gelder scheint unangemessen. Bei fünf AmtsinhaberInnen (eine hat ja bereits Verzicht erklärt) stehen pro Person fast 50.000 Euro zur Verfügung. Das sind ca. 4000 Euro monatlich im Schnitt. Da es sich um individuelle Vereinbarungen handeln soll und auch bisherige Arbeitsverhältnisse einbezogen werden, mag dies im Einzelfall sogar noch nach oben abweichen.
    Liebe Genossinnen und Genossen des Bundesvorstandes, glaubt ihr wirklich, dass Bundestagsabgeordnete 4000 Euro zusätzlich im Monat zum Leben brauchen? Findet ihr das angemessen? Wie wollt ihr das den Genossinnen und Genossen an der Basis erklären?
  3. In den Kreis- und Landesverbänden sind zahlreiche Genossinnen und Genossen tätig, die ihre gesamte Freizeit für die Partei opfern, und dafür keinen Cent bekommen und bekommen wollen. In den Kreisverbänden gibt es nicht wenige, die nicht einmal ihre Auslagen wie Fahrtkosten o.ä. abrechnen, um dem Kreisverband die dringend notwenigen Gelder für politische Arbeit zu sichern. Wie wollt ihr diesen Genossinnen und Genossen diesen Beschluss erklären?
  4. Bei einem durchschnittlichen Mitgliedsbeitrag im Osten braucht es 2000 DurchschnittsbeitragszahlerInnen, die diese 240.000 Euro aufbringen. 2000 Beitragszahlerinnen von denen nicht wenige sozial schwach sind und die ihren Mitgliedsbeitrag gut und gerne für andere Sachen gebrauchen könnten. Liebe Genossinnen Lötzsch und Lay, liebe Genossen Ernst, Dreibus und Maurer, wie wollt ihr diesen Genossinnen und Genossen erklären, dass ihr euch zusätzlich zu euren Bezügen aus eurem  Bundestagsmandat aus den wahrlich nicht üppigen Parteifinanzen finanzieren lasst?
  5. Die Transparenz, die wir in den Parlamenten immer wieder einfordern, scheint in der eigenen Partei nicht gewollt zu sein. Während in den Parlamenten die Abgeordneten in öffentlicher Sitzung ihre Bezüge festlegen, soll dies in unserer Partei zwischen dem Schatzmeister und den jeweiligen AmtsinhaberInnen festgelegt werden. Wir als LINKE, die immer fordert, der Selbstbedienungsmentalität in den Parlamenten ein Ende zu machen, lassen also nicht einmal den Parteivorstand über die Höhe der Bezüge entscheiden, sondern überlassen es den AmtsinhaberInnen selbst. Da dem Beschluss nicht zu entnehmen ist, dass der Parteivorstand über die Höhe der vereinbarten Bezüge informiert werden muss, scheint nicht einmal im Nachhinein Transparenz gewollt zu sein.

Liebe Genossinnen und Genossen des Parteivorstandes,

wir fordern euch auf, diesen Beschluss zu überdenken. Glaubwürdigkeit im Denken und Handeln einer Partei misst sich natürlich auch und gerade am Handeln der Bundesspitze. Es mag sein, dass wir „nicht nur Wein predigen (wollen), sondern ihn auch trinken“ (Zitat Ernst), jedoch ist Maßlosigkeit gerade beim Weinkonsum kein guter Ratgeber. Wir wollen nicht anfangen, euch Beispiele zu nennen, was in dieser Partei mit 240.000 Euro jährlich an sinnvollen Sachen alles gemacht werden könnte, da fällt euch allen sicher einiges selbst ein. Wir wollen aber dafür plädieren, DIE LINKE auch weiterhin als Solidargemeinschaft zu verstehen, in der es nicht Usus ist, dass einige wenige auf Kosten der Partei über ihre Verhältnisse leben.

Wir fordern euch auf, der gebotenen Transparenz Genüge zu tun und die durch die Partei gezahlten Einkünfte der AmtsträgerInnen offen zu legen. Die Mitgliedschaft hat auch hier das Recht, zu erfahren,  was mit ihren Mitgliedsbeiträgen passiert.

Liebe Genossinnen Lötzsch und Lay, liebe Genossen Ernst, Dreibus und Maurer,

wir fordern jeden einzelnen von euch auf, euch der Erklärung der GenossInnen Sharma und Wawzyniak anzuschließen, und auf zusätzliche Bezüge seitens der Partei für die Dauer der Ausübung eures Bundestagsmandats zu verzichten, anzuschließen!

Mit sozialistischen und solidarischen Grüßen,

für den Kreisvorstand Andrea Johlige, Vorsitzende

SPD Havelland und die Tarifbindung die Zweite

Auf der Kreistagssitzung stand der bereits im letzten Artikel beschriebene Antrag zur Änderung des Kreisentwicklungskonzepts, der vorsah, dass der Landkreis sich zu seiner sozialen Verantwortung bekennt und bei kreiseigenen und kreibeteiligten Unternehmen auf Tariftreue und eine Ausbildungsquote von 5% hinarbeite.

Ich hatte ja schon ziemlich sicher damit gerechnet und so kam es denn auch: in namentlicher Abstimmung lehnten ALLE Abgeordneten der SPD, der CDU, der FDP und der Bauern+ unseren Antrag ab, Grüne und LINKE stimmten zu.

Hier dokumentiere ich meine Rede zum Thema, sie sagt eigentlich alles…

Anrede,

für eine Partei, die aus der Arbeiterbewegung entstanden ist, die seit Jahrzehnten unbestreitbar die Interessenvertretung der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und der Gewerkschaften in Deutschland war, geht es an dieser Stelle nicht allein um den Inhalt unseres Antrages, es geht um die Glaubwürdigkeit sozialdemokratischer Politik. Sie werden mir sicher nicht widersprechen, wenn ich sage, dass es Ihrer Programmatik als Sozialdemokratische Partei Deutschlands entspricht, sich für die Tariftreue möglichst vieler Unternehmen und für eine Ausbildungsquote einzusetzen. Die von Ihnen geforderte Ausbildungsumlagefinanzierung sei hier nur am Rande erwähnt.

Umso überraschter waren wir, als wir lesen mussten, dass unser Änderungsvorschlag zur Hinwirkung auf Tariftreue  bei kreiseigenen und kreisbeteiligten Gesellschaften von der SPD-geführten Verwaltung abgelehnt wird mit der Begründung, dies  würde in die unternehmerische Verantwortung dieser Gesellschaften eingreifen. Ja, meine Damen und Herren, also vielleicht habe ich da ja bisher was falsch verstanden, aber die Tätigkeit der Gewerkschaften und der Abschluss von Tarifverträgen greift zwingend immer in unternehmerische Entscheidungen ein. Das ist die Aufgabe von Gewerkschaften und das ist der Sinn des Tarifsystems in diesem Land. Es geht darum, den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Interessenvertretung zu sichern, die in ihrem Namen mit den Unternehmen oder Unternehmensverbänden über Arbeitsbedingungen, Lohn, Urlaubsansprüche usw. verhandelt. Und es geht darum, dass die Beschäftigten nicht dem  ungezügelten Gewinnstreben der Unternehmen im modernen Kapitalismus zum Opfer fallen.  Es geht um faire Löhne in einer sozialen und gerechten Wirtschaftsordnung. Mit der bereits zitierten Begründung der Kreisverwaltung könnte man auch gleich die Gewerkschaften abschaffen, das wäre die Konsequenz, wenn man es weiter denkt.

Oder wollte uns die Kreisverwaltung damit sagen, dass man Tariftreue ja eigentlich wichtig finde, aber doch bitte nicht bei den eigenen Unternehmen. Das allerdings würde bedeuten, Wasser zu predigen und Wein zu saufen. Bei der freien Wirtschaft  wirken wir darauf hin, dass sie sich dem Tarifsystem anschließt, bei uns selbst, da wo wir als Politik entscheiden können, da wo wir direkten Zugriff haben, da tun wir es nicht. Glaubwürdige Politik sieht anders aus. Und verantwortungsvolles Unternehmertum, das sich der Landkreis in der Überschrift zu diesem Abschnitt selbst bescheinigt, übrigens auch. Von der sozialen Verantwortung ganz zu schweigen.

Ich hätte von der Sozialdemokratie einen Aufschrei erwartet ob dieser Argumentation der Kreisverwaltung, vor allem weil ja auch die SPD als Veränderungsvorschlag zum Strategiepapier die Aufnahme der Tariftreue eingebracht hatte. Doch weit gefehlt, im Kreisausschuss haben, nachdem die SPD diesen Antrag zurückgezogen hatte,  nacheinander Herr Schröder, Herr Ernst und Frau Vollbrecht  erklärt, warum der Grundsatz ja stimme, aber doch bitte nicht hier bei uns im Kreis.

Und – das will ich hier zumindest noch erwähnen – es geht hier auch nicht um irgendein kleines unbedeutendes Unternehmen. Es geht bspw. um die Havellandkliniken GmbH, die im Jahr 2006 den Tarifvertrag aufgelöst und für die nichtärztlichen Beschäftigten keinen neuen abgeschlossen hat. Und wir reden auch nicht über einen Einzelfall hier im Kreis, da bspw. auch die Arbeitsförderungsgesellschaft Premnitz, an der der Kreis Anteile hält, nicht mehr tarifgebunden ist, nachdem sie 2007 aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten ist und den Tarifvertrag gekündigt hat.

Meine Damen und Herren, Tariftreue und eine Ausbildungsquote von 5% sind Forderungen, die die kreiseigenen und kreisbeteiligten Unternehmen sicher nicht überfordern werden. Wir denken, dass der Landkreis als Unternehmer auch eine besondere soziale Verantwortung und eine Vorbildfunktion hat. Wir hoffen, dass der Kreistag sich zu dieser besonderen Verantwortung bekennt und beantragen deshalb namentliche Abstimmung dieses Änderungsantrages.”

Die SPD Havelland und die Tarifbindung

Gestern, am 3. Mai 2010 fand die Sitzung des Kreisausschusses des Kreistages Havelland statt. Auf der Tagesordnung war das Kreisentwicklungskonzept, das der Kreistag in zwei Wochen verabschieden will. Zu diesem Papier konnten die Fraktionen Änderungsvorschläge einbringen.

Die Fraktion DIE LINKE machte den Vorschlag, im Papier aufzunehmen, dass kreiseigene Unternehmen bzw. Unternehmen mit Kreisbeteiligung eine 5%-ige Ausbildungsquote und Tarifbindung gewährleisten sollten. Wir verwiesen dabei auf die besondere soziale Verantwortung, die der Landkreis in seinem unternehmerischen Handeln hat. Auch aus der SPD-Fraktion gab es den Vorschlag eine Tarifbindung aufzunehmen. In der Abwägung, die dem Kreisausschuss vorgelegt wurde, erklärte die Verwaltung – immerhin SPD-geführt – dass eine Tarifbindung bei diesen Unternehmen zu sehr in deren unternehmerisches Handeln eingreifen würde.

Auf meinen Hinweis, dass es doch aber gerade der Sinn von Kreisbeteiligungen sei, als Politik in diesen Unternehmen Akzente zu setzen und der Kreis hier eben eine besondere Verantwortung habe, erklärte der Landrat Dr. Schröder (SPD), dass das aber nicht wirtschaftlich sei. Anhand der Havelland-Kliniken – immerhin das größte kreiseiegene Unternehmen – erläuterte er, dass eine Tarifbindung nicht sinnvoll sei. Auch der Eingriff in unternehmerisches Handeln kam in diesem Zusammenhang ein weiteres Mal. Auf meinen Hinweis, dass man mit dieser Begründung aber auch alle Gewerkschaften abschaffen müsse (da gewerkschaftliches Handeln regelmäßig in unternehmerisches Handeln eingreift) und ich finde, dass die SPD ihre Grundsätze hier verletzt, erklärte die Vorsitzende der SPD-Fraktion, Frau Vollbrecht,dass das keine Verletzung von Grundsätzen sei, aber bei den kreiseiegenen Unternehmen müsse man halt differenzieren.

Zur Ausbildungsquote von 5% erklärte die Verwaltung, dass insgesamt in den Unternehmen mit Kreisbeteiligung diese Quote erreicht würde, bei einzelnen Unternehmen sei das aber unsinnig. Auch der Landrat äußerte sich so. Ich erinnerte dann daran, dass es die SPD war, die eine Ausbildungsumlagefinanzierung einführen wollte, wo Unternehmen, die zu wenig ausbilden eine Umlage zahlen sollten. Auch hier erklärte Frau Vollbrecht, dass die SPD sich natürlich nicht von ihren Grundsätzen verabschiede.

Mein Fazit: Tarifbindung und ausreichend Ausbildungsplätze verlangt die SPD von der Privatwirtschaft. Dort, wo sie Einfluss nehmen könnte, findet sie aber viele Argumente, weshalb das hier aber anders wäre. Mir persönlich fällt dazu keine andere Beschreibung ein als “verlogen”.

Bisherige Berichterstattung zur “Millionendusche”

Die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs haben die bisherigen Ereignisse zum Sportplatzbau an der B5 sicher verfolgt. Es finden sich hier bereits einige Artikel dazu. Auch in der Presse findet die Diskussion darum statt. Aus meiner Sicht ist die Berichterstattung in der Märkischen Allgemenen zum Thema sehr aussagekräftig, weshalb ich hier die bisher erschienenen Artikel dokumentiere.

Märkische Allgemeine: Bürgermeister in Not – CDU, Linke und Grüne kündigen Abwahlverfahren und rechtliche Schritte gegen Hemberger an, 30.4.2010

Märkische Allgemeine: Quittung: Oliver Fischer über die politische Krise in Dallgow und schlechtes Krisenmanagement, 30.4.2010

Märkische Allgemeine: Der ort muss Prioritäten setzen (Leserbrief), 10.4.2010

Märkische Allgemeine: Die Sportler wehren sich, 8.4.2010

Märkische Allgemeine: Ein Schuldiger wird gesucht – Dallgows Bürgermeister will von der Kostensteigerung am Sportparkgebäude nichts gewusst haben, 7.4.2010

Märkische Allgemeine: Die Akte “Millionendusche”, 10.3.2010