Andrea Johlige bloggt
Politisches und Persönliches – Einsichten und Ansichten

Archiv für die Kategorie ‘Dallgow-Döberitz’

Sommertour der Landesgruppe Brandenburg der Bundestagsfraktion der LINKEN machte Station bei Sielmanns Naturlandschaften

Alljährlich sind die Abgeordneten der Landesgruppe Brandenburg der Bundestagsfraktion der LINKEN am Anfang der Sommerferien im Land unterwegs – auch außerhalb ihrer sonst schwerpunktmäßig betreuten Wahlkreise.

Im Havelland waren die Stationen in diesem Jahr ein Besuch beim Bürgermeister in Nauen, beim Leonardo da Vinci-Campus und bei den Sielmanns Naturlandschaften in Elstal.

Als Lokalpolitikerin begleitete ich die Bundestagsabgeordnete Sabine Stüber zur Sielmann-Stiftung. Neben einer interessanten Begehung des Schaugeheges und einer Fahrt in die Heide unter sachkundiger Führung von Herrn Nitschke ging es natürlich auch um die Arbeit der Sielmann-Stiftung, die kleinen und goßen Sorgen bei der Finanzierung des Projektes in der Döberitzer Heide. Hier konnten wir an einigen Stellen Unterstützung zusagen.

Gleichzeitig betonten wir unsere Unterstützung für den in der Döberitzer Heide geplanten Naturfiredhof. Hier können Urnen- Bestattungen an schönen Orten in der Heide stattfinden, die Umsatzerlöse gehen zur Hälfte an die Sielmanns Naturlandschaften, die diese Gelder wiederum in das projekt investiert.

Auch zum Thema Solarpark in der Döberitzer Heide kam es zum Gedankenaustausch. Wir äußerten ein weiteres Mal die Bedenken, dass ein Naturschutzgebiet mit nicht nur einem Schutzstatus und verschiedenen seltenen Tier- und Pflanzenarten nicht der richtige Ort für die Errichtung eines Solarparks zu sein scheint, obwohl wir ansonsten natürlich Solarenergie als notwendige Investition in die Zukunft betrachten.  Hier gab es naturgemäß keine Einigung, jedoch das Versprechen miteinander im Gespräch zu bleiben und Kompromissvorschläge auszuloten.

Antrag auf Abwahl des Bürgermeisters nun doch in Gemeindevertretung

Noch heute gegen 19 Uhr glaubte ich, dass wir mit unserer Initiative zur Abwahl des Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz nicht einmal bis in die Sitzung der Gemeindevertretung vordringen. Gegen 19.20 Uhr war alles anders: eine Abgeordnete der SPD hat sich entschlossen, den Antrag zu unterstützen. Damit ist die Voraussetzung zur Einbringung des Antrags – 50% der Mitglieder der Gemeindevertretung – erreicht.

Für die Einleitung des Abwahlverfahrens, bei dem die Bürgerinnen und Bürger entscheiden können, ob sie dem Bürgermeister das Vertrauen entziehen oder nicht, braucht es aber eine 2/3-Mehrheit (13 Stimmen) in der Gemeindevertretung. Dieses Quorum liegt bisher in weiter Ferne (die ferne ist hier definiert als 3 Stimmen). Dennoch ist die Erreichung der Einbringung in die Gemeindevertretung ein erster Schritt. Zumindest ist es nun möglich, die Auseinandersetzung in der Gemeindevertretung zu führen. Dies finde ich angesichts der Vorwürfe und Vorkommnisse auch sehr wichtig, wenn dieses Gremium seiner Verantwortung für die Gemeinde gerecht werden will.

Initiative zur Abwahl des Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz gescheitert – zumindest vorerst

Der Märkischen Allgemeinen war in der Ausgabe am 5. Juni zu entnehmen, dass die Initiative zur Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen den Bürgermeister der Gemeinde Dallgow-Döberitz, Jürgen Hemberger, vorerst gescheitert ist. Vorangegangen war eine Initiative von CDU, Teilen der FDP und der Fraktion DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen, in der Gemeindevertretung zu beantragen, dass ein Abwahlverfahren eingeleitet wird.

Für die Einbringung dieses Antrages in die Gemeindevertretung braucht es 10 Unterschriften – 9 Unterschriften trägt der Antrag: Kristin Adler (CDU), Petra Budke (Bü90/Grüne), Wolfgang Erdmann (CDU), Michael Hornhardt (CDU), Andrea Johlige (LINKE), Edelgard Madler (CDU), Sven Richter (FDP), Dagmar Schubert (LINKE) und Jörg Vahl (CDU) wollten den Weg frei machen, dass die Bürgerinnen und Bürger entscheiden können, ob der Bürgermeister im Amt bleiben soll oder nicht. Die Mitglieder der Gemeindevertretung der Freien Wähler, der SPD sowie ein Mitglied der FDP-Fraktion und der Bürgermeister selbst haben bisher diesen Antrag nicht unterschrieben.  Damit kann der Antrag nicht eingebracht werden – er würde aber vermutlich eh die erfolderliche 2/3-Mehrheit, die zum Beschluss in der Gemeindevertretung notwendig sind, verfehlen.

Interessant ist die Begründung, die ein Teil der SPD uns nun präsentiert: Sie sähe keinen besseren Kandidaten. Wir lernen daraus: In Verantwortung eines Bürgermeisters können 650.000 Euro verschwendet werden, er kann die Verwaltung schleifen lassen, muss nicht führen, muss Beschlüsse der Gemeindevertretung nicht befolgen bzw. kann sogar gegenteilig handeln oder sie auch aussitzen, informieren muss er die Gemeindevertretung auch nicht, muss auch nach Monaten Debatte zur Geldverschwendung keinerlei Schlussfolgerungen ziehen, zumindest solange kein “besserer” Kandidat in Sicht ist. Den Bürgerinnen und Bürgern wird also die Möglichkeit verwehrt, nach den skandalösen Vorkommnissen in der Gemeinde zu entscheiden, ob sie mit diesem Bürgermeister weiter leben wollen.

Zur Rolle der Freien Wähler ist zu sagen, dass es natürlich verständlich ist, dass sie ihren Bürgermeister verteidigen. Interessant ist aber, dass die Teilnahme der FWG an der Aufklärung der Vorgänge um die Millionendusche eher unterdurchschnittlich ist. Zur bislang letzten Sitzung des Sonderausschusses, der sich mit diesen Vorkommnissen beschäftigt, was KEIN Mitglied der Gemeindevertretung, der der FWG-Fraktion angehört, anwesend. Scheinbar ist die FWG-Fraktion also eher wenig an der Aufklärung interessiert. Dass sie die Vorgänge aber nicht so schlimm findet, weiß sie schon lange.

Und wie nun weiter? Die Fraktionen DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion der CDU sowie ein Gemeindevertreter der FDP haben sich geeinigt, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und nun ein Bürgerbegehren für die Abwahl des Bürgermeisters zu starten. Noch sind letzte Abstimmungen mit der Kommunalaufsicht notwendig, doch werden vermutlich Mitte Juni die bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, per Unterschrift einen Bürgerentscheid mit dem Ziel der Abwahl des Bürgermeisters zu unterstützen. 1700 Unterschriften braucht es dafür. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Packen wir es an!

Bisherige Berichterstattung zur “Millionendusche”

Die geneigten Leserinnen und Leser dieses Blogs haben die bisherigen Ereignisse zum Sportplatzbau an der B5 sicher verfolgt. Es finden sich hier bereits einige Artikel dazu. Auch in der Presse findet die Diskussion darum statt. Aus meiner Sicht ist die Berichterstattung in der Märkischen Allgemenen zum Thema sehr aussagekräftig, weshalb ich hier die bisher erschienenen Artikel dokumentiere.

Märkische Allgemeine: Bürgermeister in Not – CDU, Linke und Grüne kündigen Abwahlverfahren und rechtliche Schritte gegen Hemberger an, 30.4.2010

Märkische Allgemeine: Quittung: Oliver Fischer über die politische Krise in Dallgow und schlechtes Krisenmanagement, 30.4.2010

Märkische Allgemeine: Der ort muss Prioritäten setzen (Leserbrief), 10.4.2010

Märkische Allgemeine: Die Sportler wehren sich, 8.4.2010

Märkische Allgemeine: Ein Schuldiger wird gesucht – Dallgows Bürgermeister will von der Kostensteigerung am Sportparkgebäude nichts gewusst haben, 7.4.2010

Märkische Allgemeine: Die Akte “Millionendusche”, 10.3.2010

Presseerklärung: Abwahl es Bürgermeisters der Gemeinde Dallgow-Döberitz

Im Sonderausschuss zur Kostenentwicklung des Sportplatzgebäudes an der B5 der Gemeindevertretung von Dallgow-Döberitz am 28.04.2010, appellierte der Fraktionsvorsitzende der CDU, Jörg Vahl, an die übrigen Gemeindevertreter, ein Abwahlverfahren gegen den hauptamtlichen Bürgermeister Jürgen Hemberger einzuleiten. Er begründete die Notwendigkeit mit der eklatanten Kompetenzüberschreitung des Bürgermeisters, mangelnder  Führung der Verwaltung und mit dem Zurückhalten von wichtigen Informationen für die Gemeindevertreter.

Zuvor hatte die Vorsitzende des Ausschusses, Andrea Johlige (Die Linke), dem Bürgermeister bereits den Rücktritt nahe gelegt, weil der Bürgermeister die Gemeindevertretung nicht darüber informiert hatte, dass sich die Kosten für das Gebäude mehr als verdoppeln würden. Da der Bürgermeister im September 2009 bereits ohne Legitimation den Auftrag für den Rohbau ausgelöst hatte, liegt der Verdacht nahe, dass er den Bau nicht stoppte, damit er nicht in die persönliche Haftung gerate. Dies würde aber bedeuten, dass Herr Hemberger es aus persönlichen Motiven verabsäumte, finanziellen Schaden von der Gemeinde abzuwenden.

Der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Michael Hornhardt, kündigte an, dass er darüber nachdenke, diese Vorwürfe strafrechtlich zu prüfen. Die Gemeindevertreterin von B90/Grüne, Petra Budke, warf dem Bürgermeister eine unglaubliche Verschwendung von Steuergeldern und mangelndes Interesse an der Entwicklung des Ortes vor.

Fazit: „Mit den jetzt aufzubringenden Mehrkosten von ca. 650.000 € hätte man andere dringend notwendige Bauprojekte im sozialen Bereich umsetzen können, etwa einen Sportplatz im Ortsteil Seeburg, einen Jugendclub, eine Kita, ein Seniorenzentrum oder ein Kultur- und Gemeindezentrum.

Die Einbringung des Antrags zur Einleitung eines Abwahlverfahrens gegen den Bürgermeister ist für Juni 2010 geplant, die Abstimmung in der Gemeindevertretung wird  gegebenenfalls im Juli 2010 stattfinden. Wir fordern alle Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter auf, sich ausführlich über die Vorgänge zu informieren und zu entscheiden, ob sie den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit geben wollen, dem Bürgermeister das Vertrauen zu entziehen.

Im Mai werden die Fraktionen CDU und DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag auf Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen den Bürgermeister einbringen, um der Dienstaufsichtsbehörde die Möglichkeit zu geben, disziplinarische Maßnahmen gegen den Verwaltungschef zu prüfen.“

Jörg Vahl, CDU Fraktionvorsitzender Dallgow-Döberitz

Andrea Johlige, Vorsitzende der LINKEN Dallgow-Döberitz und Gemeindevertreterin

Petra Budke, Gemeindevertreterin BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Dallgow-Döberitz

Michael Hornhardt, Gemeindevertreter CDU, Vorsitzender der Gemeindevertretung

Hintergrundinformationen

Beim Bau des Sozialgebäudes traten mit der Vorstellung des Haushaltsplans 2010 erstmalig Kostensteigerungen zu Tage, die in der Verwaltung der Gemeinde bereits seit langem bekannt sind. Die Gemeindevertreter wurden darüber jedoch nicht unterrichtet. Nach der ersten Vorstellung des Bauvorhabens durch den Architekten im Bauausschuss am 03.02.2009 sollte ein Gebäude mit einer Größe von ca. 460 qm errichtet werden, das nach der Kostenschätzung ca. 516.000 € gekostet hätte. Nach dieser Vorstellung im Bauausschuss wurden ohne Information an die Gemeindevertreter Umplanungen am Gebäude vorgenommen, die die geschätzten Baukosten um 250.000 € in die Höhe schnellen ließen. Die so veränderte Planung wurde Grundlage des Bauantrags, der vom hauptamtlichen Bürgermeister unterzeichnet wurde, obwohl die Kostenschätzung das verfügbare Haushaltsvolumen um ca. 700.000 € überschritt.

Im September 2009 stellte sich heraus, dass die Baukosten auf über 1,2 Millionen € gestiegen waren. Auch über diesen Anstieg wurden die Gemeindevertreter nicht unterrichtet. Vielmehr löste der Bürgermeister Ende September den ersten Auftrag zum Bau des Gebäudes aus, der ein Volumen von 220.000 € hatte. Da die Baugenehmigung erst am 23.09.2009 erteilt  wurde, hätte ihm bewusst sein müssen, dass es für diese Auftragsauslösung zu dem Zeitpunkt noch keinen Beschluss der Gemeindevertretung  gab. Die Entscheidungsgrenze für Vergaben durch den Bürgermeister liegt nach geltender Hauptsatzung bei 15.000 €. Erst am 14.10.2009 beschloss die Gemeindevertretung die Vergabe, ohne  dass  sie über die bereits erfolgte Auftragsvergabe des Bürgermeisters unterrichtet wurde.

Neues von der Millionendusche

Gestern habe ich von der Gemeindevertretersitzung berichtet, bei der die Kostenexplosion beim Sportplatzgebäude in Dallgow-Döberitz beleuchtet wurde. Den Bericht in der Märkischen Allgemeinen zum Thema will ich geneigten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten: zum Artikel

Sondersitzung der Gemeindevertretung zur Millionendusche

Gestern fand die Sitzung der Gemeindevertretung zur Kostenexplosion beim Sportplatzgebäude an der B5 statt.

Der erste Tagesordnungpüunkt war der Bericht der Verwaltung zur Kostenentwicklung und zu den baulichen Veränderungen am Gebäude. Nur schade, die verwaltung weigerte sich zu berichten (anders kann man es nicht beschreiben). Substanzielle Angaben machte nur der beauftragte Architekt, der den Vorgang aus seiner Sicht schilderte. Das war sicher sowohl interessant als auch wichtig, irritierend war aber schon, dass der Bürgermeister – außer mitzuteilen, dass er über den ganzen Vorgang nicht unterrichtet gewesen sei und ihn nur aus der Zeitung kenne – nichts beitrug. Er konnte uns Gemeindevertretern nicht erklären, weshalb er einen Bauantrag unterschrieben hat, dem eine Kostenschätzung anhing, die nicht durch den Haushalt gedeckt war. Er sagte nichts auf die Frage, wer in der Verwaltung eigentlich über die im Ergebnis Verdopplung (zwischendurch war man sogar fast beim Dreifachen) der Kosten informiert gewesen sei. Auch der Rest der Verwaltung – Projektleiter des Bauamts, Bauamtsleiterin, Kämmerin – antworteten nicht. Das ist umso pikanter, da es schon irgendwem aufgefallen sein muss, wurde doch die zusätzlich benötigte Summe irgendwie in den Haushaltsentwurf für 2010 eingestellt. Hätte es nicht einige Gemeindevertreterinnen gegeben, denen das komisch vor kam, wüssten wir heute noch nicht, dass die Kosten des projekts explodiert sind. Und das kann man nicht nur mit gestiegenen Baukosten rechtfertigen. Fast 400 qm Bruttogeschossfläche mehr als im Entwurf, der im Bauausschuss vorgestellt wurde, werden wohl auch ihren Beitrag geleistet haben…

Die Gemeindevertretung gab sich genervt: von der Informationspolitik, von der mangelnden Kostenkontrolle, die hier zu Tage getreten ist, vom Schweigen der Verwaltung bei der Sitzung und von der Erklärung des Bürgermeisters, das alles wäre nicht passiert, wenn die Verwaltung den Bauausschuss nicht “zu ernst” genommen hätte. Ja genau, Sie haben richtig gelesen. Und nein, ich kann Ihnen leider nicht erklären, was der Bürgermeister uns damit sagen wollte.

Zu den Vorwürfen selbst äußerte sich die Verwaltung jedenfalls vorerst nicht. Das kann zwei Gründe haben: entweder hat wirklich niemand gemerkt, was da passiert und demnach sind die Fragen nicht zu beantworten oder der Bürgermeister und die Verwaltung sagen sich “Besser unwissend tun als was zuzugeben.” Ich bin ziemlich sicher, dass beide Gründe zumindest für den Bürgermeister nicht dazu führen werden, ungeschoren aus der Sache rauszukommen. Wusste wirklich niemand was, kann das nur an Fehlern innerhalb der Verwaltung und ihres Kopfes liegen und wird etwas verschwiegen, werden wir so lange nachfragen und bohren, bis wir wissen, was passiert ist. Allerdings hoffe ich sehr, dass die Verwaltung ihre Verweigerungshaltung aufgibt. Die Bürgerinnen und Bürger und die Gemeindevertreter haben ein Recht darauf, zu erfahren, was hier passiert ist.

Mein Eindruck bei der Sitzung war jedenfalls, dass der Bürgermeister sich vor der Sitzung nicht einmal die Akte angesehen hat. Ich habe sie angesehen und bin mir sicher, dass es hier einiges aufzuarbeiten gibt. Die Gemeindevertretung sah das auch so und folgte dem Antrag der Fraktionen DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen sowie der CDU, auf Einsetzung eines Ausschusses zur Kontrolle der Verwaltung, den ich hier im Folgenden dokumentiere.

Meine Fraktion hatte turnusgemäß den nächsten Zugriff auf den Ausschussvorsitz und benannte mich als Vorsitzende.

Dringlichkeitsantrag „Einsetzung eines Ausschusses zur Kontrolle der Verwaltung zur Kostenentwicklung beim Bau des Sportplatzgebäudes an der B5“

Die Gemeindevertretung möge beschließen:

1. Es wird ein zeitweiliger Ausschuss zur Kontrolle der Verwaltung mit folgendem Arbeitsauftrag eingesetzt:

a)      Der Ausschuss prüft, welche Faktoren zur Kostenexplosion beim Bau des Sportplatzgebäudes an der B5 geführt haben.

b)      Der Ausschuss prüft, ob seitens der Verwaltung bei der Planung des Gebäudes dem Grundsatz der sparsamen Haushaltsführung gerecht geworden ist und der verfügbare Haushaltsrahmen eingehalten wurde.

c)      Der Ausschuss prüft, ob Schadensersatzforderungen oder disziplinarische Maßnahmen seitens der Gemeinde gegen Beteiligte geboten sind.

d)     Der Ausschuss schlägt der Gemeindevertretung Maßnahmen vor, die bei künftigen Projekten geeignet sind, Kostenexplosionen zu verhindern.

e)      Der Ausschuss prüft, ob durch planerische bzw. Veränderungen in der Bauausführung am Sportplatzgebäude zum jetzigen Zeitpunkt noch Kosteneinsparungen zu erzielen sind.

f)       Der Ausschuss überprüft die gesamte Planung des Sportplatzgeländes und schlägt der Gemeindevertretung Maßnahmen vor, die geeignet sind, Kosteneinsparungen am Gesamtprojekt „Sportpark an der B5“ zu erzielen.

2. Dem Ausschuss gehören 7 Gemeindevertreter an.

3. Der Ausschuss berichtet der Gemeindevertretung in jeder Sitzung über Ergebnisse seiner Arbeit.

Begründung:

Die Kosten für das Sportplatzgebäude haben sich seit der ersten Vorstellung im Bauausschuss mehr als verdoppelt, ohne dass die Gemeindevertretung darüber informiert wurde. Auch wurde die Planung deutlich verändert, ohne dass die Gemeindevertretung dazu informiert, geschweige denn, dass sie dazu beschlossen hat. Da die Bruttogeschossfläche um fast 400 qm erhöht wurde, ist davon auszugehen, dass der Großteil der Kostensteigerung durch diese Erhöhung der Bruttogeschossfläche entstanden ist.

Die Gemeindevertretung hat als Kontrollorgan der Verwaltung die Aufgabe, zu kontrollieren ob die Verwaltung hier im Sinne der Beschlüsse der Gemeindevertretung gehandelt und den Grundsätzen der sparsamen Haushaltsführung entsprochen hat.

Die Dringlichkeit ist gegeben, da das Haus bereits im Bau ist und die Gemeindevertretung nun prüfen muss, ob die Kostenexplosion zumindest eingedämmt werden kann.

Sondersitzung der Gemeindevertretung zur “Millionendusche”

Zugegeben, das Wort “Millionendusche” ist leider nicht von mir. Die Ehre gebührt dem Gemeindevertreter der FDP, Sven Richter. Dennoch ist es wohl die treffendste Bezeichnung für ein paar Umkleideräume und Duschen im Sportplatzgebäude an der B5.

Schauen wir einmal zurück, um den geneigten LeserInnen dieses Blogs einen kurzen Einblick zu geben, worüber ich eigentlich rede:

In 2005/2006 entschied die Gemeindevertretung über den Bau eines neuen Sportplatzes, der im Ergebnis auch “Olympiastadion” genannt wurde, da der von Freien Wählern und SPD beschlossene Planentwurf doch recht gigantisch anmutet für eine 8500-Einwohner-Gemeinde, die zudem bereits über zwei Sportplätze verfügt. Seis drum, beschlossen ist beschlossen.

Nun brauchte es natürlich auch ein Gebäude mit Umkleideräumen und Duschen. Selbiges sollte ganz am Anfang mal 300000 Euro kosten. Bei der Vorstellung im Bauauschuss im Januar 2009 beliefen sich die Kosten (inkl. Planung) bereits auf 517000 Euro bei einer Bruttogeschossfläche von ca. 460 qm.

Im Bauausschuss äußerten dann einige Mitglieder weitere Wünsche, wie das halt so ist. Die Wünsche wurden dann  in den Entwurf eingearbeitet, ohne dass der Bauausschuss darüber abgestimmt hätte oder die Gemeindevertretung nochmals gefragt wurde. Quasi “Wünsch dir was” und der Architekt arbeitet es ein. Auf einmal hatten wir aber schon 720 qm Bruttogeschossfläche und 772000 Euro Kosten. Also eine Steigerung von 250000 Euro. Auf der Basis  dieses Entwurfs wurde denn auch der Bauantrag gestellt und Fördergeld für das Gebäude beim Landkreis beantragt. Der Bauauschuss wurde nicht informiert, vielmehr durfte er zwei Mal über die Farbe des Gebäudes diskutieren. Ist ja schlielich auch eine wichtige Frage…

Dass die geschätzten Kosten schon zu diesem Zeitpunkt die eingestellte Summe im Haushalt überschritten war dem Bürgermeister egal. Selbst wenn man unterstellt, dass der gesamte Haushaltsrest aus 2008 für das Gebäude vorgesehen war, wären maximal 700000 Euro vorhanden gewesen.

Doch das wars noch nicht. Es musste noch weiter erweitert werden. Ein Keller zusätzlich und kleine Änderungen, schon war man bei ca. 840 qm Bruttogeschossfläche im September 2010 und geschätzten Gesamtkosten von fast 1,4 Millionen. Ein Punkt, wo man die Gemeindevertretung informieren sollte? Ja, das finden Sie vielleicht und ich ich ganz sicher. Aber weit gefehlt. Das Gebäude wird ja eh nicht in 2009 fertig, sagen wir doch einfach der Kämmerin, dass wir in 2010 nochmal 400000 Euro zusätzlich für das Gebäude brauchen, dann fällt das schon keinem auf.

Vielleicht wäre es wirklich niemandem aufgefallen. Als im Januar 2010 aber das erste Mal im Bauausschuss die Summe 930000 Euro (reine Baukosten + Planungsleistungen = 1,163 Millionen) fiel, wurden einzelne GemeindevertreterInnen misstrauisch und schauten sich den ganzen Vorgang mal etwas genauer an. Zwar ist die Schätzung vom September vom Tisch, aber auch nur, weil man bspw. de Wärmepumpe, die auf Dauer die Betriebskosten reduziert, weglässt. Die Reduzierung ist aber marginal gegenüber den ursprünglich mal vorgesehenen 300000 Euro und im Bausschuss vorgestellten 517000 Euro. Glatt eine Verdopplung.

Und im Hautshalt sind maximal 700000 Euro vorgesehen gewesen. Die mittelfristige Finanzplanung, die mit dem Haushalt 2009 beschlossen wurde, sah für die Jahre 2010 und 2011 je 300000 Euro für die Gesamtanlage des Sportparks vor. Danach sollte er fertig sein. Der Trick, für 2010 400000 Euro für das Gebäude einzustellen, ist nur der Versuch, die Fehlplanung seitens der Verwaltung zu kaschieren. Das sind 400000 Euro MEHRKOSTEN.

So und nun zum Kern dieses Beitrags: Nachdem einige GemeindevertreterInnen diesem Gemauschel und dieser unglaubliche Fehlplanung auf die Schliche gekommen sind, haben die Fraktion DIE LINKE/Bündnis 90/Die Grünen und die Fraktion der CDU eine Sondersitzung der Gemeindevertretung zu diesem Vorgang beantragt. Diese wird am 8. März um 19.30 Uhr im Feuerwehrgebäude Triftstraße stattfinden und ich kann nur allen Bürgerinnen und Bürgern empfehlen, an dieser Sitzung teilzunehmen und durch ihre Anwesenheit den Unmut über eine derartige Verschwendung von Steuergeldern kund zu tun.

Haushalt – Wille zu mehr Demokratie – zumindest wenns in den Kram passt

Die SPD beantragt einen Bürgerhaushalt für die Gemeinde Dallgow-Döberitz. Sehr unterstützenswert wie ich finde.  Bei einem Bürgerhaushalt können die Bürgerinnen und Bürger zu bestimmten Bereichen des Haushaltes, die vorher durch die Gemeindevertretung festgelegt werden, mitentscheiden. Gerade bei größeren Projekten, die in der Gemeinde anstehen, können so die Bürgerinnen und Bürger mitentscheiden, welche Prioritäten in der Gemeinde gesetzt werden.

Und doch kommt bei mir wenig Freude auf, hat die SPD doch bisher immer dann nach Bürgerbeteiligung gerufen, wenn sie keine Mehrheit in der Gemeindevertretung hatte. Wenn ihr der Bürgerwille aber nicht in den Kram passte, hat sie darauf auch keinen Wert gelegt. So hat sie die Forderung meiner Fraktion abgelehnt, in der Zeit des Volksbegehrens gegen neue Braunkohletagebaue, die Gemeindeverwaltung an einem Abend länger zu öffnen, so dass auch denjenigen, die lange arbeiten müssen, eine Beteiligung ermöglicht werden kann. Es wäre ein Kleines gewesen, dies zu realisieren. Doch da passte es der SPD nicht in den Kram.

Wir werden dem Antrag der SPD einen Bürgerhaushalt aufzustellen, natürlich folgen. Sicher wird dies in diesem Jahr nicht realisierbar sein. Ab 2011 könnte dies aber geschehen.

Und in diesem Jahr werden wir dafür kämpfen, dass die Aufstellung des Haushaltes so transparent wie möglich ist. Deshalb lehnen wir es auch ab, in einer Hinterzimmerrunde beim Bürgermeister Streichungen im Haushalt vorzunehmen. Dieses Treffen, zu dem der Bürgermeister einladen will, werden wir nicht besuchen und werden im Gegenteil verlangen, dass die Verhandlungen zum Haushalt öffentlich sind – der Hauptausschuss ist zuständig und dorct muss man sich verständigen, wo gespart wird und wo nicht.

Ich bin übrigens sehr gespannt, ob die SPD sich unserer Auffassung in diesem Punkt anschließt…

Sportplatzgebäude an der B5 – Kostenexplosion

Das Bauamt teilte bei der letzten Sitzung des Bauausschusses mit, dass das Sportplatzgebäude an der B5 nicht wie geplant 650000 € sondern nunmehr 900000 € kosten wird. Schuld ist die Kostenexplosion am Bau, so die Aussage.

Im ersten Schritt haben wir eine genaue Auflistung der geplanten und der tatsächlichen Kosten gefordert. Unter anderem interessiert uns dabei, seit wann klar war, dass sich die Kosten so entwickeln würden. Ein großer Teil des Gebäudes steht ja schon und es ist kaum zu erwarten, dass die Kostenexplosion nicht schon bei diesen Gewerken aufgetreten ist. Sollte es aber länger bekannt sein, muss sehr genau geschaut werden, warum die Gemeindevertretung erst jetzt informiert wurde.

Und wir werden sehr genau nachfragen, ob die Planungen tatsächlich realistisch waren. Einem Sportplatzgebäude für 900000 € hätte die Gemeindevertretung wahrscheinlich nicht zugestimmt und eine Planungsänderung verlangt. Schon deshalb wollen wir wissen, ob hier wirklich realistisch kalkuliert wurde und ob möglicherweise das beauftragte Architekturbüro in Haftung zu nehmen ist.

Politisch wird es für uns als Gemeindevertreter gerade vor dem Hintergrund der derzeitigen Rathausdebatte aber nciht gerade einfacher. Die Kostenschätzungen für das neue Rathaus liegen bei mindestens 2,5 Millionen €. Wenn wir dann aber befürchten müssen, dass auch dort die Kosten explodieren, müssen wir sehr genau überlegen, ob es unter diesen Bedingungen tatsächlich sinnvoll ist, ein neues Rathaus (egal mal in welcher der diskutieren Varianten) zu planen.