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Im Westen nichts Neues

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Foto: Ralf Skiba (cc-by-nc)

Ich habe eben einen sehr interessanten Zufallsfund gemacht, der mich sicher noch viel Zeit kosten wird: Die Bundeszentrale für politische Bildung und die Deutsche Kinemathek haben unter dem Titel “Wir waren so frei” ein Fotoarchiv gestartet, das Fotos zeigt, die von Privatpersonen in den Wendejahren 1989/1990 gemacht wurden. Großartig, sich da durchzuklicken, vor allem als Berliner mit hessischem Migrationshintergrund, der inzwischen so ossifiziert ist, dass er sich neulich erwischte, wie er “Kaufhalle” sagte.

Als ich mich eben ein wenig durch die vielen beeindruckenden Fotos klickte, bin ich an Aufnahmen aus dem Wahljahr 1990 hängen geblieben. Erst habe ich mich über die PDS-Plakate amüsiert, die teils so unglaublich piefig waren wie die SED, teils aber auch ein bemerkenswertes Niveau der – damals sicher dringend nötigen – Selbstreflexion leisteten. Nicht minder spannend ist ein Plakat des “Demokratischen Aufbruch (DA)”, der später in das konservative Wahlbündnis “Allianz für Deutschland” mit CDU und DSU einstieg. Ein großes Stoppschild, schlicht, rot und fett warnt vor der roten Gefahr im Osten. Das Plakat löste fast soetwas wie einen mentalen Schluckauf aus – ihr kennt das, wenn sich zwei spontane Eindrücke gleichzeitig den Weg vom Rückenmark ins Gehirn bahnen wollen. Dass die CDU nämlich seit 20 Jahren die selbe Leier fährt mit verschiedenen Variaten der Rote-Socken-Kampagne, war mir klar. Aber dass selbst Zensursula von der Leyen sich mit ihrem Kinderporno-Stoppschild visuell im Jahr 1990 bedient – damit hätte ich nicht gerechnet. Als Ossi h.c. ist mir jetzt aber klar, was die anderen Ossis mit “Im Westen nichts Neues” meinen.

Übrigens sind die meisten Fotos auf “Wir waren so frei” mit einer CC-Lizenz versehen.

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