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Posts mit dem Tag ‘Bundestag’

Robin Hood und die SPD

Debatten über den Mindestlohn sind, zumal wenn sie im Bundestag stattfinden, nicht unbedingt spannend. Im Prinzip ist die Aufstellung seit längerem bekannt: Die Linkspartei (hier) und die Grünen (hier) sind für gesetzliche Lohnuntergrenzen. Das schwarz-gelbe Lager ist gegen eine flächendeckende Regelung, weil dies angeblich Jobs gefährde. Und die Sozialdemokraten winden sich: Eigentlich sei man inzwischen ja auch davon überzeugt, dass nur ein gesetzlicher Mindestlohn helfe. Aber so, wie die Linkspartei das vorschlage, gehe es nun wirklich nicht. Das Argument des Abgeordneten Josip Juratovic am Freitag im Bundestag: Mit ihrer „Robin-Hood-Politik“ und der Forderung nach einem Mindestlohn von zehn Euro innerhalb dieser Legislaturperiode gefährde die Linksfraktion ein sonst akzeptables Ziel. Tut sie das wirklich?

Juratovic hat erklärt, dass man erst einmal so etwas wie gesellschaftliche Akzeptanz für den Mindestlohn brauche. Das war als Kritik am Zehn-Euro-Ziel gemeint, geht aber nach hinten los. Die Linksfraktion stützt sich in ihrem Antrag auf eine Umfrage des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur an der Goethe-Uni in Frankfurt, das eine 70-prozentige Zustimmung für einen Mindestlohn von etwa zehn Euro ermittelt hat. Es gibt andere Studien, die zeigen, dass es die „gesellschaftliche Akzeptanz“ längst gibt. Es ist mehr eine Frage der politischen Kräfteverhältnisse, und in der Vergangenheit waren es Sozialdemokraten, die sich der theoretischen Mehrheit für einen gesetzlichen Mindestlohn verweigerten. Ob es immer klug war, wie die Linkspartei versucht hat, die SPD mit ihren eigenen Forderungen im Parlament vorzuführen, steht auf einem anderen Blatt. Der SPD-Abgeordnete Anton Schaaf hat am Freitag eingestanden, dass es „auch bei uns“ einen Erkenntniszuwachs bei dem Thema gegeben habe: Branchenlöhne, wie sie von der Großen Koalition eingeführt wurden, reichten der SPD demnach nicht mehr. Auch Juratovic plädierte für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Weil man – wohl mehr aus Angst vor allzu großer Nähe, denn aus inhaltlichen Gründen – nicht mit der Linkspartei in einen Mindestlohn-Topf geworfen werden will, werden die Sozialdemokraten „in den kommenden Wochen“ einen eigenen Antrag einbringen, in dem dann, wegen der gesellschaftlichen Akzeptanz, ein „moderater“ Einstieg vorgeschlagen wird.

Was ist moderat? Die Gewerkschaften fordern derzeit 7,50 Euro. Der DGB-Kongress im Mai wird aller Voraussicht nach jedoch eine Erhöhung auf 8,50 Euro beschließen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat nach dem Karlsruher Hartz-Urteil erklärt, ein Mindestlohn müsse „zumindest oberhalb von 7,50 Euro“ liegen, damit Menschen mit Vollzeitjobs mehr verdienten als Empfänger von Sozialleistungen. Ein Blick über den nationalen Tellerrand zeigt: In 20 von 27 EU-Staaten gibt es einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. In acht Ländern wurde dieser zu Jahresbeginn trotz der Wirtschaftskrise erhöht. Die Lohngrenzen sind in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich: In Westeuropa zwischen 8,41 Euro (Belgien) und 9,73 Euro (Luxemburg). In Portugal (2,86 Euro) und Griechenland (4,28 Euro) liegen die Mindestlöhne dagegen viel niedriger. Und in Osteuropa noch einmal deutlich darunter. Nach Auffassung des gewerkschaftsnahen WSI der Böckler-Stiftung spiegeln sich darin aber „zum Teil die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten wider“. Mindestlöhne gibt es natürlich auch außerhalb Europas: IN Australien liegt dieser bei umgerechnet 8,08 Euro, in den USA bei 5,20 Euro und in Brasilien bei 0,97 Euro – allerdings stieg er dort wurde der Mindestlohn in der letzten zeit um knapp 23 Prozent an.

Bleibt noch das wiederkehrende Argument, Mindestlöhne würden Jobs zerstören. Die zwei gegensätzlichen Positionen sind bekannt: Auf der einen Seite wird vor dramatischen Verlusten vor allem im Niedriglohnbereich und bei jungen Stellensuchern gewarnt; auf der anderen hervorgehoben, dass sogar positive Beschäftigungseffekte eintreten würden. Es ist nicht zuletzt eine Frage des Umgangs mit den Expertenmeinungen, die den Unterschied macht: Der CSU-Abgeordnete Paul Lehrieder hat am Freitag im Bundestag auf einen Bericht in der Frankfurter Allgemeinen vom 23. Februar verwiesen und erklärt, darin hätte selbst ein gewerkschaftsnaher Experte zugegeben, dass mit deutlichem Stellenabbau im Falle eines gesetzlichen Mindestlohns zu rechnen sei. In dem Blatt sucht man diese Passage vergebens. Es gibt zwar einen Beitrag zum Thema, in dem heißt es aber: “Reinhard Bispinck, Leiter der tarifpolitischen Abteilung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, geht davon aus, ‘dass von einem Mindestlohn von 8,50 Euro mehr als 5 Millionen Beschäftigte profitieren’.” In der Bundestagssitzung hat es dazu ein kurzes Wortgefecht zwischen Lehrieder und Klaus Ernst von der Linksfraktion gegeben. Dieser verwies auf eine aktuelle Studie der Böckler-Stiftung, in der es genau darum geht: die wissenschaftlichen Meinungen über den Mindestlohn. „Weder die ökonomische Theorie noch Erfahrungswerte sprechen grundsätzlich gegen“ eine solche Untergrenze, heißt es darin. „Ein Überblick über den internationalen Forschungsstand macht deutlich: Eine gesetzliche Lohnuntergrenze muss keine Arbeitsplätze kosten, sondern kann sogar neue bringen.“

Die Linkspartei will „die Modalitäten der Einführung und die jährlichen Anpassungen“ der Bundesregierung überlassen. Diese soll über Einstieg und Erhöhung bestimmen – und zwar „nach Konsultation mit den Tarifvertragsparteien und wissenschaftlichen Experten“, die in einen Mindestlohnrat berufen werden. Den durchaus bedenkenswerten Einwand, damit sei das Parlament bei der Fortentwicklung der Lohnuntergrenze außen vor, es handele sich mithin eher um einen exekutiven als um einen gesetzlichen Mindestlohn, entwerteten die Redner der Regierungskoalition mit ihren ständigen und schiefen DDR-Vergleichen dann aber selbst. Der Antrag der Linksfraktion wurde am Freitag von einem wieder einmal spärlich besetzen Bundestag in die Ausschüsse verwiesen. Die ewige Debatte um den Mindestlohn geht also in die nächste Runde. (tos)

Tag der Befreiung

Die einen nennen es Kapitulation, die anderen Befreiung, wieder
andere schnöde Kriegsende – die Bewertung des 8. Mai 1945 ist in Deutschland sehr unterschiedlich. Da bisher ein Gedenken des geschichtsträchtigen Tages im Bundestag nicht vorgesehen war, hat die Linksfraktion die Initiative ergriffen und einen entsprechenden Tagesordnungspunkt für den 7. Mai beantragt – ein Freitag. Es wird laut Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) vor Eintritt in die Tagesordnung eine kurze Ansprache geben. Dagmar Enkelmann, Parlamentarische Geschäftsführerin der Linken, findet diese Entscheidung auch in Zusammenhang mit dem Widerstand gegen Neonazis kürzlich in Dresden wichtig, das für nicht wenige Aktivisten jetzt juristische Folgen haben könnte. Außerdem will die Linkspartei den 8. Mai als gesetzlichen Gedenktag etablieren – als Tag der Befreiung. Die Bundesregierung wird aufgefordert, einen entsprechenden Gesetzentwurf vorzulegen. In ihrem Antrag weist die Fraktion darauf hin, dass der 8. Mai in Mecklenburg-Vorpommern bereits offizieller Gedenktag ist. Die Linke verweist auf die Rede Richard von Weizsäckers vom 8. Mai 1985: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung. Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ (wh)

Fehlstart zu Beginn

Der Bundestag hat die Enquete-Kommission Internet und digitale Gesellschaft eingesetzt. Die Debatte im Plenum, eine Mischung aus vorgelesenen Kurzreden, mäandernder Vorträgen und Herumwerfen mit schlauen Web2.0-Begriffen, war nicht gerade überzeugend. Fast jeder Redner musste erst einmal loswerden, wie superwichtig das Thema ist – was vor ziemlich leeren Rängen irgendwie anachronistisch wirkte. Dann noch den einen oder anderen Seitenhieb auf die Konkurrenz. Über die im fraktionsübergreifenden Antrag aufgerissenen Probleme und offenen Fragen erfuhr man aber kaum etwas.

Was man zu hören bekam, bestätigte eher jene Bitkom-Umfrage, die von einem FDP-Abgeordneten dann auch prompt zitiert wurde: „Nur 44 Prozent der Bevölkerung sind der Ansicht, dass in der Politik genügend Sachkenntnis über die technischen und wirtschaftlichen Hintergründe des Internets existiert“. Beim Hinweis eines Abgeordneten etwa, in Zukunft würden Radio und Telefon zusammenwachsen, schoss einem unwillkürlich die Frage durch den Kopf: am Lautsprecher oder an den Kabeln?

Spaß beiseite: Ein Fehlstart zu Beginn war es vor allem deshalb, weil die Linksfraktion ohne jeden inhaltlichen Grund von dem gemeinsamen Antrag ausgeschlossen worden war (mehr dazu hier). Es entstand in der Öffentlichkeit sogar der Eindruck, die Partei sei gegen die Enquete – was diese als „unverschämt“ zurückwies.

Schon länger stehen die zu entsendenden Mitglieder fest. Eine kritisch kommentierte Liste hat Ex-SPD-Mann und Pirat Jörg Tauss zusammengestellt. Die Linke schickt Parteivize Halina Wawzyniak und den Abgeordneten Herbert Behrens aus Schleswig Holstein Niedersachsen. Als Experten bringt die Fraktion die CCC-Sprecherin Constanze Kurz und Annette Mühlberg vom ver.di-Referat Neue Medien mit. Einem Änderungsantrag der Linken, der die „Veränderungen der Arbeitswelt durch neue Medien“ stärker im Themenplan der Kommission berücksichtigen wollte, stimmten am Donnerstag lediglich die Grünen zu. Die Enquete-Kommission wurde schließlich einstimmig eingesetzt, sofern man das bei einem sehr schwach besetzten Bundestag überhaupt sagen kann. (vk)

Aus Lissabon nichts Neues

EU Fahne

EU Fahne

Pressemitteilung 03.03.2010 – Alexander Ulrich Aus Lissabon nichts Neues

Die Europäische Kommission hat heute »EU 2020« vorgestellt, die Fortführung der Lissabon-Strategie. Für Alexander Ulrich, Obmann im Europaausschuss des Bundestages, sind die Vorschläge »ignorant, enttäuschend und ärgerlich.« Aus dem Scheitern der Lissabon-Strategie hat die Kommission nichts gelernt: »Einseitig Märkte zu deregulieren und flexibilisieren führt eben nicht zu mehr Wachstum und Beschäftigung, sondern zu mehr Arbeitslosigkeit, Armut und prekärer Beschäftigung.« Die Strategie wird auf dem Europäischen Rat im März beraten.

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Unterwegs im Wahlkreis

Ganz im Zeichen der Sozialpolitik stand der Wahlkreistag der Bundestagsabgeordneten Caren Lay in Bischofswerda am 17. 02.2010

Der erste Besuch galt der dortigen “Tafel”. Der Verantwortliche stellte die Mitarbeiter und Räumlichkeiten vor und sprach aktuelle Probleme an. Daraus ergab sich eine offene Diskussion mit den Besuchern der Tafel, die die repressiven Auswirkungen der Harz IV-Gesetze täglich am eigenen Leib spüren und die frustrierenden Situationen sehr eindrücklich schilderten.

Anschließend wurde das nahe gelegene Sozialkaufhaus vorgestellt. Aus der Situation der “Tafel” ergaben sich folgende Forderungen: zum einen sollte die KFZ-Steuer für die Fahrzeuge der  Tafeln generell erlassen werden und die Möglichkeit eines ermäßigten Steuersatzes für Kraftstoffe, wie in der Landwirtschaft üblich, geprüft werden. Auch die Befreiung von der GEZ-Gebühr des Sozialkaufhauses im Zusammenhang mit den zum Verkauf angebotenen Rundfunkgeräten sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Ein weiteres Problem ist, dass  der Lebensmitteldiscounter Netto (Deutschland) der Tafel keine Lebensmittel mehr zur Verfügung stellt.  Hier besteht noch Handlungsbedarf.

Nächste Station waren die Behindertenwerkstätten des Lebenshilfe-Vereins Bischofswerda. Der Verein wurde 1991 von zwei Frauen gegründet und hat sich mittlerweile zu einem großen “Betrieb” entwickelt. Er bietet körperlich und geistig behinderten Menschen die Möglichkeit, am Arbeitsleben teilzunehmen und sich beruflich weiterzuentwickeln.

Die Werkstätten besitzen eine Wäscherei, sie produzieren Teile für die Automobilindustrie oder bieten Produkte aus Holz, wie z.B. Bänke, Tische oder Vogelhäuschen an. Auch für Freizeitgestaltung und betreutes Wohnen wird umfangreich gesorgt. Der Lebenshilfe-Verein würde sich über weitere Aufträge aus der Industrie freuen, um die Arbeitsplätze sichern zu können.

Weiter ging es zum Antrittsbesuch bei der Volkssolidarität. Dort wurde Caren Lay bereits am Eingang von der stellvertretenden Geschäftsführerin Frau Dittmann herzlich empfangen. Auch hier wurde der Bundestagsabgeordneten sehr umfangreich der Geschäftsbetrieb und die Wohnanlagen für das betreute Wohnen vorgestellt.

Der Wahlkreistag endete mit einer Bürgersprechstunde in den Räumen der Volkssolidarität. Dabei stand die Bürgermeisterwahl thematisch im Mittelpunkt der Diskussionen.

Erste Anlaufstelle für die Verbraucherpolitische Sprecherin der Linksfraktion war am 18.02.2010 die Bautzener Verbraucherzentrale.   Der dortige Mitarbeiter Herr Mittrach stellte die umfangreichen
Informationsmöglichkeiten vor und berichtete über seine Arbeit als Verbraucherberater.  Es herrschte Konsens darüber, dass der Verbraucherschutz seitens des Staates ungenügend ist und noch viele Verbesserungen durch Gesetzesänderungen auf den Weg gebracht werden müssen. Insbesondere sind problematische Verträge und die Methoden der Kundengewinnung in der Telekommunikationsbranche der häufigste Grund, warum sich Menschen an die Verbraucherzentrale wenden.

Als nächstes fand ein Antrittsbesuch beim Verein der Sorbischen Minderheit, der „Domowina“, statt. Der Vorsitzende Jan Nuck schilderte sehr ausführlich die derzeitige Situation der Sorben, die z.B. vom Weggang junger Menschen aus ihrer Heimat und den auch damit verbundenen schwierigen Bedingungen für die Sprach- und Kulturpflege im Alltag geprägt ist. Insbesondere die schwierige finanzielle Situation der Domowina war Thema des Geprächs, weil sorbische Einrichtungen u.a. steigende Tariflöhne zahlen müssen.

Außerdem bemühen sich die Sorben um einen ständigen Sitz im Rundfunkrat des MDR. Angesprochen wurde auch die zukünftige Weiterführung der Domowina als Verein oder öffentliche Körperschaft. Beides wird diskutiert, eine Entscheidung gibt es aber noch nicht.

“Das ändert nichts”

Unternehmen haben die Parteien 2008 mit rund 20 Millionen Euro alimentiert. Die Liste wird von der CDU angeführt, die 7,53 Millionen Euro von Firmen und Verbänden einnehmen konnte, gefolgt von der deutlich kleineren CSU, die auf 6,39 Millionen Euro kommt. SPD und Liberale liegen mit knapp 2,7 Millionen Euro etwa gleich auf, dann kommen die Grünen und schließlich, gewissermaßen mit der roten Laterne, die Linkspartei. Die Rechenschaftsberichte der Bundestagsparteien sind hier nachzulesen. Vor allem Christsoziale und FDP finanzieren ihre Parteitätigkeit zu einem größeren Teil aus Wirtschaftsspenden. Um Politik zu betreiben, bräuchten aber auch sie das Geld nicht unbedingt, die meisten Einnahmen kommen anders zustande. Soll man Spenden also begrenzen, verbieten, deckeln? Um der Glaubwürdigkeit der Politik Willen, aber wem wäre damit geholfen? Die Debatte hat durch die Hotelsteueraffäre neuen Schwung erhalten:

In der vergangenen Woche diskutierte der Bundestag erstmals über Anträge von Grünen (hier) und Linken (hier), die den Geldfluss von Unternehmen zu Parteien begrenzen beziehungsweise ganz verbieten wollen. Die Debatte kann hier nachgelesen werden – und man findet darin ein schönes Wortgefecht: Der FDP-Abgeordnete Stefan Ruppert hoffte vor dem Plenum, „dass ich als Parteipolitiker nie von der staatlichen Parteienfinanzierung, die Sie wollen, politisch abhängig sein werde.“ Daraufhin hagelt es Zwischenrufe vom Grünen Jerzey Montag („Lieber von Herrn von Finck!“) und von Joachim Poß von der SPD („Genau, Sie sind doch ein Günstling von Herrn von Finck.“) Ruppert daraufhin: „Herr Poß, Sie können gerne noch lauter schreiben oder hier reden. Aber das ändert nichts.“ So schön werden die Abhängigkeiten und Grenzen der Parteipolitik im Kapitalismus sonst nur selten zusammengefasst. Die Anträge zur Begrenzung bzw. zum Verbot von Unternehmensspenden gelten übrigens als chancenlos. (tos)

Alles nur Populismus

Endlich mal eine neue Vokabel im Politgeschäft: Finanzkrisen-Verantwortungsgebühr. Klingt nach moralischer und materieller Strafe. So etwas will die Linke für Privatbanken einführen und damit Verursacher und Nutznießer der staatlichen Bankenrettungsprogramme zur Kasse bitten. Mit 0,15 Prozent der Verbindlichkeiten. Einen entsprechenden Antrag hat die Linksfraktion im Bundestag eingebracht, und dort nennt man das – na wie? Natürlich: Populismus. Union und FDP sagen, sie hätten sich ja schon ganz viel ausgedacht, „die Märkte zu regulieren und Spekulationen künftig einzudämmen“. Hossa! Und die SPD findet die Idee zwar nicht schlecht, zweifelt aber an der Ernsthaftigkeit des Antrags. Jetzt wird er in den Ausschüssen begutachtet, wo man darüber nachdenken kann, dass es beispielsweise in den USA eine derartige Bankenabgabe schon gibt, auf die die Linke ausdrücklich verweist. Aber wahrscheinlich regieren auch in Washington nur elende Populisten. (wh)

Pfandbon und Maultasche

Ein paar Maultaschen, die in den Müll gewandert wären; ein Pfandbon
für 1,30 Euro, dessen Herkunft unklar ist; eine Frikadelle von einem Buffet – die Fälle gingen durch die Medien und lösten bundesweite Empörung aus. Beschäftigte, die jahre-, manche sogar jahrzehntelang zuverlässig gearbeitet hatten, wurden wegen einer Nichtigkeit rausgeschmissen, und zwar fristlos. Arbeitsgerichte bestätigten die Entlassungen, und in manchen Fällen mussten die Arbeitgeber ihre Vorwürfe nicht einmal beweisen; es genügte ein Verdacht, um das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Beschäftigten für zerstört zu erklären. SPD und Linke wollen nun im Bundestag gegen diese Entlassungspraxis vorgehen. Am Mittwoch werden die Gesetzentwürfe beider Fraktionen im Parlament in erster Lesung behandelt.

„Erweiterung des Kündigungsschutzes der Arbeitnehmer / Schutz vor Kündigung wegen eines unbedeutenden wirtschaftlichen Schadens“ heißt die Drucksache der SPD; „Verbot der Verdachtskündigung und Erweiterung der Kündigungsvoraussetzungen bei Bagatelldelikten“ ist der Titel des Papiers der Linksfraktion. Beiden Fraktionen geht es darum, bei geringfügigen Verstößen vor eine Entlassung eine Abmahnung zu setzen, was im Arbeitsrecht ansonsten weithin üblich ist. Eine Kündigung wäre dann erst im Wiederholungsfall möglich. Zudem sollen die Arbeitgeber verpflichtet werden, die vermeintlichen Straftaten zu beweisen, bei Bedarf auch vorm Arbeitsgericht. Wolfgang Nescovic, rechtspolitischer Sprecher der Linksfraktion, plädierte schon vor einem Jahr angesichts des Falles Emmely dafür, der Verdachtskündigung gesetzlich den Boden zu entziehen. Nunmehr spricht er davon, dass der Gesetzgeber die Arbeitsgerichte an die Kandare nehmen müsse. Ob die Initiativen durchkommen, bleibt abzuwarten. Immerhin müssten Union und FDP, falls sie dagegen sind, öffentlich erklären, warum sie ein derartiges Vorgehen der Unternehmen weiter schützen wollen, das mit Verhältnismäßigkeit nichts zu tun hat. (wh)

Stoppt den Ausverkauf öffentlichen Eigentums

Am vergangenen Wochenende fand in Braunschweig das vierte bundesweite Treffen des Netzwerks von Antiprivatisierungsinitiativen gemeinsam mit dem Treffen der PPP-Irrweg Kampagne statt. Hier die Erklärung der Teilnehmer/innen:

Erklärung zum Treffen gegen den Ausverkauf des Öffentlichen Eigentums,
Braunschweig,  vom 7.Februar 2010


1. Am Wochenende des 6./7.Februar 2010 trafen sich 60 VertreterInnen von attac und Bürgerinitiativen aus 15 Städten und berieten die nächsten Aktionen gegen den Ausverkauf öffentlicher Daseinsvorsorge und für eine Gemeinwohl-orientierte Re-Kommunalisierung.

2. Die weltweiten Finanzblasen und teuren Bankenrettungen beschleunigen gegenwärtig den kommunalen und öffentlichen Ausverkauf.  Die von alters her kommunal erworbenen Vermögen sollen jetzt die Banken-Löcher füllen.
Ein Rettungsplan für Kommunen dagegen: Fehlanzeige.

3. Folge weiterer Privatisierungspolitik wäre:  die totale Enteignung der Kommunen, Verarmung der Bevölkerung, kultureller und gesellschaftlicher Kahlschlag sowie beschleunigter Demokratieabbau.

4. Dagegen unterstützen die Versammelten die bereits vielfältigen Aktionen zum Erhalt von Bädern, Theatern usw. vor Ort, denn Privatisierungen führen in die Sackgasse weiterer Bankenabhängigkeit.
Public-private-partnership (“ppp”) als neues von Banken und Beraterfirmen ausgeklügeltes Privatisierungsinstrument beschleunigt die allgemeine Verarmung.
Mit jedem “ppp”-Projekt wird ein Stück Demokratie verkauft und das Staatswesen den weltweiten Finanz-Akrobaten ausgeliefert.

5. Die Versammelten fordern:
- höhere Besteuerung der Vermögenden, der Unternehmens- und Bankgewinne zugunsten der Kommunen;
- Finanzierung öffentlicher Projekte durch günstige Kommunalkredite;
- Kontrolle der öffentlichen Güter durch die BürgerInnen;
- Offenlegung aller ppp-Projekte;
- keine Geheimverträge;
- Stärkung des Einflusses der Rechnungshöfe;
- Rücknahme der bisher beschlossenen ppp-Beschleunigungsgesetze.

Braunschweig, den 7. Februar 2010
gez. Peter Rosenbaum, Bürgerinitiative Braunschweig (BIBS)

Am Samstag, 27. Februar 2010, von 10 bis ca. 16 Uhr, lädt das Leipziger APRIL-Netzwerk zur Veranstaltung: Die Zukunft unserer Städte – neue Bündnisse für eine soziale Stadtin den Saal des Volkshauses, 5. Etage, Karl- Liebknecht- Straße 30, 04107 Leipzig.

Fundstück der Woche oder Antifa regiert

Nicole Gohlke MdB DIE LINKE hat hier eindeutig Geschmack bei der Klamottenauswahl bewiesen. Weiter so!