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Linke doch Paß-fähig

Nun ist den niedersächsischen Behörden der Fall offensichtlich zu heiß geworden: Dem seit über zwei Jahren umstrittenen Einbürgerungsantrag von Jannine Menger-Hamilton (mehr hier) soll noch in diesem Monat stattgegeben werden. Das berichten mehrere Zeitungen. Die aus Hannover stammende Pressesprecherin der Kieler Linke-Landtagsfraktion, deren Eltern aus Italien und Großbritannien kommen, hatte im Herbst 2007 die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Offenbar hatten aber das niedersächsische Innenministerium und das Landesamt für Verfassungsschutz Einwände erhoben – wegen Menger-Hamiltons Parteizugehörigkeit und politischer Ansichten. Es könne „kein Interesse bestehen“, das Mitglied einer Partei einzubürgern, die die „Überwindung der bestehenden Ordnung“ zum Ziel habe, zitieren Medien aus einem der Schreiben. Nachdem der Skandal kürzlich bekannt geworden war, machen die Einbürgerungs-Blockierer jetzt wohl einen Rückzieher – und keiner will es gewesen sein. Niedersachsens Innenministerium und die Verwaltung der Region Hannover schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Zudem dringen Linke, SPD und Grüne auf Aufklärung des Vorgangs – auch auf Aufklärung der Rolle von Innenminister Schünemann. Der CDU-Politiker, der an der geheimdienstlichen Beobachtung der Linkspartei festhält, war anscheinend intensiver mit dem Fall Menger-Hamilton befasst, als sein Ministerium zunächst eingeräumt hatte. Die SPD handelte sich für ihr Interesse an der Affäre eine billige Retourkutsche von der CDU ein: Der SPD sei kein Thema zu schade, um sich bei der Linken anzubiedern, erklärte die CDU-Landtagsfraktion. (wh)

CDU-Landtagsfraktion nach rechts offen?

Gegenwärtig kursiert in der -Mitgliedschaft ein Aufruf, den angeblichen Linkstrend in dieser Partei zu stoppen. Der Landesverband Sachsen der und besonders dessen Vorsitzender, Ministerpräsident Stanislaw , hätten gegenwärtig allen Grund, den Rechtstrend in ihrer Landtagsfraktion zu stoppen. Es ist wohl ohne Beispiel, dass der Pressesprecher der Fraktion einer demokratischen Partei einem Blatt ein Interview gibt, zu dessen wesentlichen Merkmalen — so das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz – die „Verunglimpfung demokratischer Institutionen” sowie die „Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen, verbunden mit antisemitischen Äußerungen”, gehören.

“Die sächsische sollte sich darüber im Klaren sein, dass sie mit Distanzlosigkeit zur DVU, deren ehemaliger Bundesvorsitzender Gerhard Frey noch immer Herausgeber der „National-Zeitung“ ist, gleichzeitig deren Bündnispartner aufwertet. Ich halte dieses Interview keineswegs für einen entschuldbaren Lapsus”, sagt  Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Fraktion der LINKEN im Landtag.

“Für mich stellt es ein weiteres Indiz für die Öffnung der sächsischen nach rechts dar. Immerhin war Fraktionspressesprecher Dirk Reelfs vor seiner jetzigen Tätigkeit in gleicher Funktion für den damaligen Minister und heutigen Fraktionsvorsitzenden Steffen Flath tätig. Es ist kaum vorstellbar, dass ein Interview mit solch politischer Tragweite ohne den Segen des Fraktionsvorsitzenden erfolgt ist. Immerhin hat der fragende Redakteur der „National-Zeitung” keinen Zweifel daran gelassen, für welches Presseorgan die Antworten gedacht waren. Es ist wohl müßig, darauf zu hoffen, dass die Rechtsausleger in der sächsischen gestoppt werden.

Eine Distanzierung der Fraktionsspitze von dieser politischen Geschmacklosigkeit ist allerdings angebracht und überfällig.”

Alles muss raus!

Datei:Schuldenuhr 2006 08.jpgEs ist mal wieder an der Zeit, der deutschen Bevölkerung die Schuldenuhr vor die Nase zu halten. Immer öfter bekommt man nun wieder die Zahlen vorgesetzt und es werden in den Nachrichten Bilder der tickenden Schuldenuhr gezeigt. Ich erinnere mich, dass während der letzten Legislaturperiode dieses “Stilelement” eher selten Anwendung fand. Ganz deutlich erinnere ich mich aber daran, dass das permanente Erwähnen der deutschen Staatsverschuldung in den Anfangsjahren der rot-grünen (gazprom-)schröderschen Regierungszeit Anwendung fand, als man das Volk darauf einschwor, den Gürtel enger zu schnallen und dann als man die Agenda 2010 als notwendiges Übel verkaufen musste, denn schließlich sollten nicht die zukünftigen Generationen für unsere Schulden bezahlen. War das ein ehrenwerter Zug, oder steckt da vielleicht etwas ganz anderes dahinter?

Ja, es ist bemerkenswert, wie oft  die deutsche Staatsverschuldung dem Bürger im Moment wieder vor Augen geführt wird und mir drängt sich der Verdacht auf, dass dieses plötzlich häufige Erwähnen vielleicht einen Grund hat. Diese ewig langen Zahlen, die sich kein Mensch vorstellen kann. Im Moment sind es laut Bund der Steuerzahler 1.680.213.907.770 Euro, hinzu kommen 4.481 Euro pro Sekunde. Das sind 20.553 Euro pro Kopf. Wir haben also 1680 Milliarden Schulden und eine Milliarde entspricht Tausend Millionen (109). Kann sich jemand diese Zahl vorstellen? Dem gegenüber betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2007 39 979 Milliarden US-Dollar = 29 381,2009 Milliarden Euro. Seither ist unser BIP gesunken. Ich bin kein Volkswirtschaftler, aber selbst mir als Laien drängt sich hier die Frage auf, wie man diese hohen Schulden mit Zins und Zinseszins denn zurückzahlen will (dazu kann man gern die Kommentarfunktion unten benutzen) und es erhärtet sich bei mir der Verdacht, dass das überhaupt nicht möglich ist. Sollte das so sein, was will man dann mit dem ständigen präsentieren der Staatsverschuldung erreichen. Ich denke, hier soll der Bürger auf Sparmaßnahmen eingeschworen werden.

Gegenwärtig sehen wir im Euroland, wie ein Staat nach dem anderen in den Staatsbankrott zu rutschen droht. Irland, Island, Griechenland, wer kommt als nächstes dran? In Griechenland wird gerade darüber fabuliert, ob man denn nicht paar Inseln verkaufen könnte, um dem Problem angeblich Herr zu werden. Und hier fängt dann der “Spaß” an, den man schon aus anderen Ländern dieser Welt kennt. Dort wurden gezielt Staaten in den Bankrott und die Abhängigkeit getrieben, und es mussten – erzwungen von Weltbank & Co – Bodenschätze, Land und Wasser- und Energievorkommen an Privatinverstoren verkauft werden. Gerade Grund und Boden und vor allem Wasservorkommen sollten eigentlich Gemeingut sein, da die Menschen und deren Überleben davon abhängt. Wie sich so etwas auswirkt, kann man gern im Film “Der große Ausverkauf” oder “Lets make Money” ansehen. Jetzt wird in Griechenland diese Systematik des totalen Ausverkaufs angewandt, um angeblich die Verschuldung in den Griff zu bekommen. Es drängt sich der Verdacht auf, als wäre das nicht alles einfach nur von langer Hand geplant.

Zurück in Deutschland sieht es so aus, dass unsere Tigerentenregierung eben genau jenen Kurs befährt. Das anständige Volk soll mit dem permanenten Vorhalten der Schuldenuhr zu dem Einsehen gebracht werden, dass es gar nicht anders geht, als dass man sparen muss, denn es ist ja für eine gute Sache. Schließlich soll man ja die Schulden nicht an die nächste Generation weitervererben. Dazu entlastet aber gerade diese Regieung ganz besonders die großen Vermögen. Dabei ist die Verteilung der Vermögen in Deutschland zunehmen ungleicher und die Entwicklung (gleich wie die Verschuldung) exponentiell: während die untersten 5/10 der dt. Bevölkerung insgesamt 6,9% des Nettovermögens besitzen, haben die restlichen 5/10 insgesamt 93,1% des Nettovermögens. Das reichste 1/10 besitzt allein 46,4% (Quelle: Hans-Böckler-Stiftung). Diese reichsten Zehntel werden zunehmend entlastet, während die armen Zehntel das Problem bezahlen sollen.

So werden durch die CDU-FDP-Regierung die Lasten für Bildung und Soziales auf Länder und Kommunen verteilt, die aufgrund der extrem schwachen Binnenkaufkraft überhaupt nicht mehr in der Lage sind, dieses Problem zu schultern, es wird schlicht unbezahlbar. Das ist ein taktischer Zug, um durch die Hintertür den Sozialstaat komplett zu ruinieren und gleichzeitig dafür zu sorgen, dass die vielen übriggebliebenen Leckerbissen aus Ländern und Kommunen an Privat verkauft werden, um kurzfristig den Haushalt aufzubessern. Verkauft werden Energieversorger, Boden, Wasserver- und Abwasserentsorgung, die Abfallwirtschaft, kommunale Dienstleistungen, Schulen, Immobilien uvm. Projekte wie Crossborder-Leasing (CBL) oder Private Public Partnership (PPP) haben Konjunktur und versprechen für den Moment eine Entlastung der Haushalte, doch nachhaltig ist dies alles nichts. Es kommen aufgrund dieser Wirtschafterei in Zukunft wesentlich höhere Kosten auf die Kommunen zu, da nicht das öffentliche Interesse im Vordergrund steht, sondern die Gewinnerwartungen der Shareholder. Die Leidtragenden sind die Bürger und die Profiteure sind Privatinvestoren und Banken.

Für mich bleibt die provokante Frage, ob die Krise mit ihren Auswirkungen von gewissen Kreisen der Wirtschaft und der Banken nicht bewusst in Kauf genommen wurde, um effektiv und günstig an die letzten Reste öffentlichen Eigentums heran zu kommen, den Sozialstaat zu zerstören und dieser Verdacht erhärtet sich, wenn man sich anschaut, was Schwarz-Gelb in Gang gesetzt hat und man sieht, wo öffentliche Haushalte im nächsten Jahr angekommen sein werden – in den roten Zahlen. Jetzt bleibt nur noch die Frage, was der Bürger nun tun will, ob sie dem tatenlos zusehen wollen und ob vielleicht führende Politiker sich auf ihren Eid besinnen und vernüftigerweise die Binnenkaufkraft stärken wollen, zB. mit einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn…


Politik und Mehrheit

Regierungskurs und Bevölkerungsmeinung gehen oft getrennte Wege.
Ein wichtiger wenn auch umstrittener Gradmesser dafür sind die vielen Umfragen. Sicher: Demoskopie findet nicht im luftleeren Raum statt, sie unterliegt Interessen und einer wirtschaftlichen Logik, sie beeinflusst die Meinungen, die sie später zu erheben vorgibt. Aber die für eine Demokratie nicht ganz unwichtige Frage, was die Leute auch zwischen den Wahlterminen so denken und wollen, will trotzdem beantwortet werden. Schaut man sich die Ergebnisse an, kommt man zu dem Schluss, dass Politik in Deutschland oft im falschen Film spielt: Atomenergie, Afghanistankrieg, Schuldenbremse, Rentenkurs, Gesundheitsreform – hier zeigen sich in Umfragen Mehrheiten, die etwas anderes wollen, als die schwarz-gelbe Koalition macht. Das Regierungsbündnis selbst, vor gerade einmal fünf Monaten gewählt, verliert immer weiter an Zustimmung. Aber die, so glaubt die Kanzlerin, braucht sie auch gar nicht.

In der Ära Kohl zeigte man die Arroganz der Macht gern her: Die demonstrieren, wir regieren. Rot-Grün neigte zum Basta. Angela Merkel übergeht den Widerspruch zwischen Mehrheitsmeinung und Regierungskurs etwas freundlicher aber im Kern ähnlich: Die Politik weiß es besser. Entscheidungen beruhten auf Expertentum und Führung, erklärte Merkel am Mittwoch beim Institut Allensbach, das „repräsentative“ Personal an der Spitze habe dann immer noch Zeit, „für diese Entscheidungen zu werben und damit Meinungen zu verändern“. Dies sei in der Vergangenheit oft so gewesen, an zentralen Wegmarken der bundesrepublikanischen Geschichte sei die Regierung vom Pfad der Mehrheit abgewichen. Merkel nennt das einen Ausdruck des Primats der Politik – „und an dem sollte auch festgehalten werden“. Mit anderen Worten: Was die richtige und was die falsche Politik ist, „muss der politische Mandatsträger“ entscheiden, darüber könne „die Demoskopie wenig sagen“. Und „im Nachhinein“ würde sich „in vielen Fällen die Haltung der Deutschen“ dann auch in die eingeschlagene Richtung verändern.

Wenn die CDU bei einem Thema die Umfragen hinter sich hat, würde sie dies umgehend zum Argument machen: Unsere Politik ist richtig, weil von der Bevölkerung unterstützt. Nur fehlen gerade solche Ergebnisse. Deshalb warnt Merkel, Politiker sollten „nicht der Versuchung erliegen, mit Hilfe der Demoskopie ihre politischen Entscheidungen zu rechtfertigen“. Es ist ein Aufruf, sich dort der Mehrheitsmeinung zu widersetzen, wo diese andere Wege geht. Zum Beispiel Afghanistan: Die CDU-Vorsitzende hält es für „vernünftig, dass sich die Bevölkerung das Ergebnis einer Maßnahme erst einmal anschaut und dann ein Urteil darüber bildet“. Der Krieg am Hindukusch dauert nun schon seit 2001, es war also genug Zeit – eine Mehrheit hat die Truppenaufstockung abgelehnt und plädiert seit Monaten für einen raschen Abzug der deutschen Soldaten. Zum Beispiel Mindestlohn: Eine Mehrheit plädiert für eine flächendeckende Gehaltsuntergrenze, Schwarz-Gelb hat dem eine Absage erteilt. Zum Beispiel Steuersenkung: Eine Mehrheit lehnt das Vorhaben der Bundesregierung ab. Zum Beispiel Atomenergie: Für eine Verlängerung der Laufzeiten und die weitere Duldung einer profitablen Risikoindustrie als „Brückentechnologie“ gibt es keine Mehrheit. Und so weiter – im Deutschlandtrend kann man viele Zahlen finden.

Nicht nur, aber vor allem die Linkspartei weist immer wieder auf den „demokratischen Makel“ hin. Oskar Lafontaine etwa variiert gern seine vor einigen Jahren in der Frankfurter Allgemeinen geäußerte Kritik: „‘Der Name, mit dem wir unsere politische Ordnung bezeichnen, heißt Demokratie, weil die Angelegenheiten nicht im Interesse weniger, sondern der Mehrheit gehandhabt werden‘, sagte der athenische Staatsmann Perikles vor über 2000 Jahren. Konfrontieren wir die politische Wirklichkeit der Bundesrepublik Deutschland im Jahre 2007 mit dieser einfachen Definition der Demokratie, dann kommen wir zu dem Schluss, dass wir in einer parlamentarischen Demokratie leben, die dem entscheidenden Kriterium des Perikles für eine politische Ordnung, die Demokratie heißt, nicht gerecht wird.“

Welche aber wäre das? Wie müsste Meinungsbildung ablaufen, damit das Kriterium erfüllt wird. Und ist es überhaupt das richtige – wenn „die Angelegenheiten nicht im Interesse weniger, sondern der Mehrheit gehandhabt werden“, heißt das ja noch nicht, dass die Mehrheit selbst entscheidet. Die Linkspartei weist darauf hin, in zentralen Fragen die Mehrheit noch am ehesten zu vertreten: Afghanistan, Mindestlohn, Rente. Das ist richtig, umgeht aber die verzwickte Frage, ob eine stärker plebiszitär geprägte Demokratie wirklich besser wäre. Man müsste unter Umständen mit Ergebnissen rechnen, die einem keineswegs gefallen. Eine Mehrheit plädiert ja beispielsweise auch für Arbeitszwang in der Sozialpolitik – jedenfalls in Umfragen.

Womit man bei der alten Frage wäre, wie man Hegemonie für eine andere Politik “herstellen” kann. Andrea Ypsilanti hat mit Blick auf die Ziele des Instituts Solidarische Moderne gerade erklärt, dass künftige Reformkoalitionen “dem inhaltlichen Willen der Bevölkerung entsprechen” müssen. Also einer Mehrheit, die man erst einmal organisieren muss. Und die auch zwischen den Wahlen einen Einfluss haben müsste, den sie jetzt noch nicht hat. (tos)

Im Zusammenhang mit der Braunkohle-Frage in Brandenburg wurde das hier auf lafontaines-linke.de bereits kurz diskutiert – ich plädiere für eine Fortsetzung des Debatte. Noch einmal zur Erinnerung:
spa: „Ein (schneller) Braunkohleausstieg (ist) in Brandenburg nicht mehrheitsfähig in der Bevölkerung. (…) Regieren gegen die Mehrheit – damit hat man mit der alten Vorgängerpartei nicht so gute Erfahrungen gemacht.“
wh: „Mehrheitsmeinungen können manchmal der Maßstab für Politik sein, zumal für linke, aber doch nicht immer, sozusagen per Naturgesetz. Wenn das so wäre, dann müsste sich die Linke nicht um Hegemonie im Diskurs bemühen, sondern sich einfach nur an den Mainstream dranhängen.“
spa: „Wenn die Mehrheit zum Beispiel der Meinung wäre, dass es Hartz-4-Empfängern zu gut ginge, dann wäre die Linke nicht Regierungspartei, weil sie dann kein entsprechendes Wahlergebnis erzielt hätte.“ (…) „Wer also, wie viele Linke und Grüne und auch nicht wenige Sozialdemokraten den Ausstieg aus der Braunkohleverstromung will (…), muss den gesellschaftlichen Diskurs dahin bringen.“

Schnüffel GmbH und Co.

Über die Methoden der Agentur CMK, die das Privatleben von Politikern ausgespäht hat, war hier bereits ausführlich die Rede. Der Skandal hat sich inzwischen zu einem mehrdimensionalen Kampfgeschehen ausgeweitet: Bunte gegen Stern, Politiker gegen Bunte, CMK gegen Stern und so weiter. Der Gesellschafter der “Presseagentur”, Stefan Kießling, hat sich vor ein paar Tagen „nochmals in aller Form von unlauteren oder sogar widerrechtlichen Arbeitsmethoden distanziert“. Man erfülle „im Rahmen der journalistischen Sorgfaltspflichten Aufträge für verschiedenste Verlage und Medien“. Und offenbar nicht nur für die. Nachdem die Bunte den Auftrag, eine Affäre zwischen Linksparteichef Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht zu belegen, storniert hatte, soll Kießling dem CDU-nahen Kloschüssel-Unternehmer Wendelin von Boch-Galhau angeboten haben, „die Recherchen zu Lafontaines Privat- und Intimleben auszuweiten und Details davon möglichst kurz vor der Landtagswahl im Saarland an die Medien zu spielen“, schreibt der Stern.

„Kießling verlangte für die Dienste angeblich ein Agenturhonorar von
rund 50.000 Euro im Monat.“ Die Berliner Schnüffel Gmbh wollte sich also einfach einen anderen Abnehmer für den vermeintlichen Aufreger suchen, wodurch sehr gut illustriert ist, was von den CMK-Hinweisen auf die journalistische Ethik zu halten ist. Von Boch, Landeschef des CDU-Wirtschaftsrates im Saarland, hatte  kurz vor den Wahlen im vergangenen Herbst mit dem Wegzug seiner Firma gedroht, sollte die Linkspartei an der Landesregierung in Saarbrücken beteiligt werden. Er gilt als entschiedener Lafontaine-Gegner. „Irgendein Teufel ist in sie gefahren“, hatte der Jesuitenschüler, der zwei Jahre mit dem späteren RAF-Mann Andreas Baader die WG teilte, dem Linken einmal entgegnet. Immerhin: Von Boch lehnte die schmutzige Offerte von CMK-Mann Kießling ab, da er „so etwas nicht mache“. (tos)

Unhaltbare Unterstellung! Die CMK reagiert – hier
Der Stern über “die falschen Dementis der CMK” – hier
CMK: Ist der Stern gefälschten Dokumenten aufgesessen? – hier
Wulff, Oettinger, Tiefensee: Mehr Politiker im CMK-Visier – hier
Müntefering verlangt Erklärung von Burda – hier
Burda “zu den Anwürfen” von Müntefering – hier
Müntefering beschwert sich beim Presserat – hier
Renate Künast fordert Entschuldigung von Burda – hier
Bunte-Chefin Patricia Riekel antwortet Künast – hier
Wettbewerbliche Scheinheiligkeit: Burda antwortet Sternhier
Bunte contra Stern: Carta hat die ultimative Enthüllung – hier

Sachsenweit Proteste gegen Kürzungen in der Jugendhilfe

Nach den Plänen der sächsischen CDU-FDP Landesregierung sollen bei Kindern und Jugendlichen im Freistaat Sachsen ca. 5,5 Mio € eingespart werden. Die geplanten Streichungen bedeuten, dass in diesem Jahr Jugendhäuser geschlossen, Jugendclubs nicht mehr gefördert, Projekte beendet, Sozialarbeiter als Ansprechpartner/innen gekündigt werden! Gestern, am 1. März 2010, fanden landesweit Aktionen gegen die Kürzungen statt.

Wenn ihr Interesse daran habt, dass es weiterhin eine halbwegs funktionierende Jugendhilfe gibt, dann unterschreibt diese Petition des Kinder- und Jugendringes Sachsen:

“Ich unterstütze die Proteste des Kinder- und Jugendring Sachsen e.V. gegen die Kürzungen in der Jugendarbeit und wende mich entschieden gegen die Auffassung, junge Menschen wären legitime Einsparpotenziale. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind diejenigen, die in den nächsten Jahren in Politik und Gesellschaft, Wissenschaft, Handwerk und Bildungseinrichtungen Verantwortung übernehmen und die Geschicke unseres Landes lenken. Geben wir ihnen heute durch eine gelingende Jugendarbeit die dafür notwendigen Werte und Kompetenzen mit auf den Weg!

Ich fordere die Staatsregierung und alle weiteren politischen Verantwortungsträger auf, die Kürzungen zurückzunehmen.”

Hier unterschreiben.

Kaffee und andere Drogen

Auf der nach unten offenen NRW-Wahlkampf-Skala kommen CDU und
SPD um einiges voran. Es ist ein Ziehen und Gezogenwerden: Die von der Sponsoring-Affäre leicht angeschlagene Union hält Stöckchen hin – und die Sozialdemokraten springen drüber. Ein Treffen beim Kaffee zwischen deren Landesvize mit der Sprecherin der NRW-Linken wird von der CDU zum Eklat hochgespielt, es handele sich um Verhandlungen im „engsten Umfeld“ der SPD-Spitzenkandidatin und Vorbereitungen zur rot-rot-grünen „Machtübernahme“. Hannelore Kraft macht die Sause mit und erklärt: Alles „absolute Alleingänge mit keinerlei Legitimation durch den SPD-Landesvorstand“. Also ohne. Nun, es geht wie gesagt um eine halbe Stunde beim Käffchen. 30 Minuten, die der CDU gut in den Kram passen.

SPD-Mann Jochen Ott, der es immerhin „für richtig“ hält, „dass man mit dem politischen Gegner spricht und ihn kennenlernt, wenn man sich eine Meinung bilden will“, muss nachträglich den Kraft-Satz aufsagen, „Dass die Linke weder regierungswillig noch regierungsfähig ist.“ Das Treffen mit Katharina Schwabedissen habe ohnehin nur erbracht, was Wahlkampfstrategie der Sozialdemokraten an Rhein und Ruhr ist. Es ist ein Kurs, den sich die SPD aufzwingen lässt. Die Ypsilanti-Angst steckt tief drin in der Partei, jetzt hat man rigoros die Tolerierungsvariante ausgeschlossen, weil sich ein so großes Bundesland wie NRW damit angeblich nicht regieren lasse. Auch müssen regelmäßig Selbstverständlichkeiten tabuisiert werden, etwa dass da bei der Linken Menschen Politik machen, und dass man mit denen auch mal redet. Kraft hat Ende Januar erklärt, es gebe keine Gespräche mit der Partei.

Bei der CDU wird man sich freuen, dass die WAZ-Gruppe ausgerechnet jetzt mit der Geschichte kommt. Die Partei hatte gerade ihr „Rotbuch“ vorgestellt, „eine Dokumentation über Programm, Strategie und Führungspersonal der NRW-Linkspartei“. Es ist bei Licht betrachtet ein ziemlich lustiger 32-Seiten-Versuch von Propaganda, eine Parodie dieses heutigen Anti-Sozialismus hätte es nicht besser gekonnt. Die Linke sah sich an das Ergebnis einer “feuchtfröhlichen Runde” erinnert und unterstellte abnehmende Urteilsfähigkeit bei “steigendem Alkoholkonsum”. Die CDU “im Suff”. Womit man rechnen muss, wenn die “Radikalen” demnächst ans Ruder kommen: „Alle privaten Hausbesitzer werden enteignet, (…) „sozialistische Planwirtschaft wird eingeführt“. Schüler sollen „den Konsum von Rauschgift an Schulen lernen“ und „jedes Kind Haschisch im Supermarkt kaufen“ dürfen. Und die Leute „hätten dann nur noch einen Tarifvertrag und ein Einheitshandy“. Nun ja.

Es geht dabei aber gar nicht wirklich darum, dass sich irgendwer vor der Einführung des Sozialismus fürchtet. Die Linkspartei muss nicht beteuern, dass es mit ihr „kein Dönerkombinat und kein VEB Pommes geben“ wird. Die CDU hat es allein auf die SPD abgesehen. Sie kann mit einiger Berechtigung davon ausgehen, dass die Sozialdemokraten mit dem Eiertanz um die Linkspartei eher an Zustimmung verlieren. Versuche der SPD, die Debatte auf inhaltliche Themen zu bringen, etwa auf die Bildungspolitik für Nordrhein-Westfalen, werde an den Rand gedrückt. Dass die Bundes-SPD versucht, mit der „Abstimmung über die Gesundheitsreform“ den Wahlkampf bundespolitisch zu imprägnieren, verengt den Raum für landesspezfische Diskussionen zusätzlich.

Die CDU bleibt dran. Da werden schonmal Umfragen in Auftrag gegeben, die so ausfallen: 62 Prozent der Nordrhein-Westfalen lehnen eine Koalition von SPD und Linkspartei ab. „Auch 48 Prozent der SPD-Anhänger sind gegen ein rot-rotes Bündnis. Nicht mal jeder fünfte SPD-Anhänger wünscht sich eine rot-rote Koalition. Gleichzeitig sind mehr als die Hälfte der SPD-Anhänger (54 Prozent) davon überzeugt, dass die SPD eine solche Koalition eingehen würde, wenn sie nach der Wahl die Möglichkeit dazu hätte.“ Man sieht, die Strategie zahlt sich aus: Die SPD-Anhänger sind dagegen, trauen Kraft aber anderes zu. „Heute hat die Linkspartei bestätigt, dass es Gespräche mit der SPD gibt.“ Achherrje. Und falls die Umfrageergebnisse doch nicht ganz richtig waren, werden die ganz rostigen Geschütze herausgeholt. Eine Koalition mit der Linkspartei „verbietet sich für jeden aufrechten Demokraten“. Einen schönen Gruß an Klaus Wowereit und Matthias Platzeck. (tos)

CDU muss Bücher offenlegen

Die Linke. im Bundestag

Die Linke. im Bundestag

Gesine Lötzsch

Gesine Lötzsch

Pressemitteilung der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag  22.02.2010, Gesine Lötzsch

CDU muss Bücher offenlegen

„Politik wird nicht mehr gewählt, sondern gekauft“, so Gesine Lötzsch zu der Tatsache, dass sich Unternehmen bei Ministerpräsident Rüttgers Gesprächszeiten für viel Geld kaufen können. Die stellvertretende Vorsitzende und haushaltspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE weiter:

„Wer am 9. Mai 2010 bei der NRW-Wahl seine Stimme Herrn Rüttgers gibt, muss davon ausgehen, dass diese Stimme nicht zählt. Was bei der NRW-CDU nur noch zählt, ist Cash. Dieser Vorfall ist kein Ausrutscher eines übereifrigen Wahlkampfmanagers. Die CDU hat in den letzten Jahren immer wieder Belege dafür geliefert, dass sie sehr gern Geld von Unternehmen annimmt und zeitnah deren Wünsche in Gesetze gießt.  Das war unter Kohl so und das ist auch unter Merkel so.
DIE LINKE fordert von der CDU-Vorsitzenden Merkel Aufklärung. Wir wollen wissen, ob auch auf anderen CDU-Parteitagen Gesprächszeiten an Unternehmen verkauft wurden. Dazu muss die CDU ihre Bücher offenlegen.“


Eingetragen unter:Statements Tagged: CDU, Die Linke., Gesine Lötzsch, NRW-Wahl, Rüttgers

Sponsoren beim Parteitag

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Ein Einzelgespräch mit Jürgen Rüttgers kostet also 6.000 Euro. Für
den NRW-Ministerpräsident kommt der Rummel über den Verkauf von Terminen an zahlungskräftige Sponsoren am Rande des CDU-Parteitags Mitte März sicher ungelegen. Die Landtagswahlen stehen an und da liest man als Kandidat so etwas nicht gern. Die Christdemokraten mühen sich, den Fall herunterzukochen: Zwar habe es solche Werbeangebote gegeben, die Briefe würden aber einen „falschen Eindruck“ hinterlassen, Rüttgers kenne die Schreiben außerdem gar nicht. Und am Ende liegt dann alles am „ungeschickten Sprachgebrauch einzelner Mitarbeiter“. Die Konkurrenz ist dennoch schwer empört. Der CDU-Mann, so Andrea Nahles von der SPD, sei „offensichtlich käuflich“. Die Spitzenkandidatin der Grünen bei der Landtagswahl, Sylvia Löhrmann, ätzte nicht ganz ohne Grund, hier werde das Amt des Ministerpräsidenten, indem sie es zu Markte tragen“. Linksparteivize Klaus Ernst stuft das Rüttgers-Paket als „illegale Parteispende“ ein und fordert ein Gesetz, das derartigen Praktiken einen Riegel vorschiebt. Sponsorenstände auf Parteitagen, und um solche geht es ja, sind durchaus üblich – nicht nur bei der CDU.

Die Liberalen ließen 2003 beim Delegiertentreffen in Bremen zahllose Firmen werben, von der Deutschen Post über EADS, MTU und AOL bis zum Autobauer Audi. Einige Unternehmen seien „schon seit vielen Jahren“ dabei. „Ein Besuch bei den Sponsoren des Parteitages“, werden die Besucher nachdrücklich gebeten, lohne sich auch in diesem Jahr „auf jeden Fall“. Illustriert ist die parteioffizielle Werbung für Werbende mit einem Foto des Besuchs von FDP-Chef Guido Westerwelle am Audi-Stand, „einem der treuesten Unterstützer“ von liberalen Parteitagen. Man fragt sich: Interessiert der Mann sich für Autos?

Beim SPD-Parteitag 2009, von dem die große Erneuerung ihren Ausgang nehmen sollte, waren ebenfalls jede Menge Sponsoren mit an Bord. „In der Ausstellungshalle der MESSE DRESDEN stellen sich während des Bundesparteitages zahlreiche kommerzielle und nicht kommerzielle Aussteller vor.“ Die Liste ist lang: Audi, EADS, der Bundesverband der Deutschen Industrie, die Bertelsmann-Stiftung, Energiekonzerne wie der Atomstromkonzern Vattenfall, die Pharmabranche, Versicherungsfirmen.

Bei der Grünen-BDK in Erfurt Ende 2008 waren die Sponsoren „in einer separaten Halle, in der auch das Catering stattfindet“ untergebracht – zum Essen geht jeder irgendwann einmal. Das Pottblog berichtete, „das ganze stößt zum Teil auf Kritik – wenn z.B. der Lobbyverband BDI einen Stand auf dem Parteitag hat, wo doch der BDI nicht wirklich kompatibel mit grünen Positionen ist“. Die gesundheitspolitische Sprecherin Biggi Bender habe seinerzeit erzählt, „dass diverse Delegierte zu ihr kommen würden, da der Apotheken-Verband sich gegen ihre Positionen aussprechen würden und die Delegierten gerne wissen wollen, warum das denn sei. Jedoch gibt es aber auch Sponsoren die sich eher für eine Liberalisierung des Apothekenmarktes aussprechen – und mit diesen Gegensätzen müsse man leben, wenn man einen gesponsorten Parteitag hat.“ Oder man hat eben keinen. (tos)

Nachtrag 22. Februar
Eine ergänzte Fassung dieses Textes findet sich auf freitag.de

Rechtsaußen gegen Linksruck

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So darf es nicht weiter gehen: Marsch in den Schuldenstaat, linke Gesellschaftspolitik, Gender Mainstreaming, Homo-Ehe, Antidiskriminierungsgesetz, Multi-Kulti-Integration, linke Schulpolitik – diese und noch mehr Vergehen werfen bekennende Konservative wem vor? Dem rot-rot-grünen Parteienflügel? Nein, der CDU-Führung. Manifest gegen den Linkstrend nennt sich ein vor Empörung bebender Aufruf, der sich dagegen wendet, dass die CDU-Spitze um Angela Merkel sich von ihren Wurzeln und den langjährigen Stammwählern verabschiede und eine Öffnung nach links betreibe. Christlich-konservative und marktwirtschaftliche Positionen würden verraten, heißt es auf der Internetseite, wo sich nach Angaben der Initiatoren – eine Mischung vornehmlich aus Unions-Rechtsaußen, fundamentalistischen Christen und radikalen “Lebensschützern”, also Abtreibungsgegnern – innerhalb von 24 Stunden mehr als 600 Unterstützer per Unterschrift unter das Manifest eintrugen. Es wird sogar auf Twitter und Facebook gesetzt. Man könnte jetzt lange dazu argumentieren, aber das erledigt sich weitgehend, wenn man sich einige der Erstunterzeichner ansieht:

Ferdinand Fürst von Bismarck, Urenkel des einstigen Reichskanzlers und Chef des Hauses Bismarck. Hubert Gindert, Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken. Klaus Hornung, ehemaliger Präsident des Studienzentrums Weikersheim, einer Denkwerkstatt der Neuen Rechten, und Kolumnist der Jungen Freiheit. Martin Lohmann, Vorsitzender des Bundesverbands Lebensrecht. Friedrich-Wilhelm Siebeke, früherer Vizechef des CDU-Parteigerichts, der sich gegen den Parteiausschluss des Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann wegen als antisemitisch kritisierter Äußerungen gewandt hatte. Johanna Gräfin von Westphalen, Vorsitzende der Stiftung “Ja zum Leben”. René Stadtkewitz, Berliner CDU-Abgeordneter, Moscheegegner und stellvertretender Vorsitzender der islamfeindlichen Vereinigung Pax Europa.

Diese und andere Leute wollen die CDU wieder auf stramm konservative Linie bringen. Dahinter steht eine klare Drohung: Sollte die Unionsführung ihren vermeintlichen Linkskurs beibehalten, so Siebeke, dann stehe “die Gründung einer neuen Rechtspartei und die CDU verliert endgültig ihren Status als Volkspartei” im Raum. Etwas, das auch anderswo schon diskutiert wurde. Im bisher eher verhalten geführten Streit um die konservativen Grundwerte der Union werden also die Zügel kräftig angezogen. (wh)