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Posts mit dem Tag ‘Landtag’

Neuwahl im Nordwesten

Einerseits stößt das Urteil des Schleswig-Holsteinischen Verfassungsgerichtes bei der Linken auf Zustimmung. Deren Landtagsfraktion hatte – wie andere auch – die Sitzzuteilung nach den Wahlen vom Herbst 2009 kritisiert und Wahlprüfungsbeschwerde eingereicht. Die Richter erklärten das Wahlgesetzt nun für in Teilen verfassungswidrig und forderten eine Änderung bis Ende Mai 2011. „Überdies“, so das Gericht, habe man „die laufende Legislaturperiode zeitlich beschränkt“. An dieser Stelle beginnt das andererseits: Denn das Gericht ordnete Neuwahlen erst bis Ende September 2012 an. Die Linke aber hatte, wie auch die Grünen, einen schnellstmöglichen Urnengang gefordert. Schwarz-Gelb wird die Neuwahl nun allerdings so weit wie möglich hinauszögern. Kleiner Trost: Der neue Vorstand, den die Nordwest-Linke im Herbst küren wird, hat so mehr Zeit, die Partei darauf vorzubereiten.

Die Landesspitze dürfte nach dem Parteitag am 26. September ein ziemlich neues Gesicht erhalten. Die bisherige Sprecherin Cornelia Möhring wird nicht noch einmal ins Rennen gehen – als Bundestagsabgeordnete und Frauenpolitische Sprecherin im Fraktionsvorstand bleibe ihr für diese Aufgabe „einfach zu wenig Zeit“. Für den Posten des scheidenden Landesschatzmeisters Werner Machemehl wird Vorstandsmitglied Meike Lüdemann ihren Hut in den Ring werfen. Ebenfalls nicht mehr kandidieren wird Björn Thoroe, der sich auf seine Aufgabe im Kieler Landtag konzentrieren möchte. Der Ko-Vorsitzende Björn Radke tritt dagegen erneut für das Amt des Landessprechers an, nicht zuletzt „um die Kontinuität zu wahren“, wie es in einem Mitgliederinfo heißt.

In der Vergangenheit hatte auch die Linke in Schleswig-Holstein mehrfach mit internen Querelen für Schlagzeilen gesorgt. Inzwischen jedoch sei man auf dem Weg zu „absoluter Teamfähigkeit“ und einer neuen politischen Kultur „einen großen Schritt vorangekommen“. Der zu wählende Vorstand soll wieder auf zwölf Mitglieder aufgestockt werden (derzeit sind es zehn). Außerdem drängt die Landesspitze darauf, dass das Gremium dann „in seiner Zusammensetzung noch mehr die Partei in ihrer Gesamtheit“ abbildet. Am kommenden Wochenende treffen sich zunächst die Kreisvorstände, die Landesspitze und die Landtagsfraktion. Dabei wird es dann sicher auch noch einmal um die Entscheidung des Landesverfassungsgerichts gehen. Die schwarze-gelbe Kieler Koalition mit ihrer ebenso knappen wie verfassungswidrigen Ein-Stimmen-Mehrheit ist angeschlagen – aber nicht ausgeknockt. Noch nicht. (vk)

- Entscheidung des Landesverfassungsgerichts im Verfahren über die Wahlprüfungsbeschwerden der Linksfraktion u.a. – hier
- Urteil des Landesverfassungsgerichts zum Normenkontrollantrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen und des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW) gegen die in § 3 Abs. 5 Satz 3 LWahlG verankerte Mehrsitzbegrenzung – hier

Kultusminister will weiter gegen die Schüler und Eltern Kreischas kämpfen

Das Kultusministerium hat beim Oberverwaltungsgericht Beschwerde gegen das Urteil zur Zulassung neuer fünfter Klassen in der Mittelschule Kreischa eingelegt. Das Possenspiel geht also weiter. Das Kultusministerium bleibt seiner Linie treu und agiert konsequent und weltfremd gegen die Interessen der Bürgerinnen und Bürger.

Es ist unverantwortlich, dass für den Kultusminister und seinen Stab nur Paragraphen und nicht die Menschen zählen. Der bürokratische Machtapparat der Staatsregierung hat sich mittlerweile verselbständigt. Minister Wöller sollte sich auf die Übersetzung seines Amtstitels als Diener des Volkes besinnen. Stattdessen agiert er eher als Despot, dem die Interessen der Schülerinnen und Schüler vollkommen egal sind. Nachdem die Eltern und ihre Kinder das Gefühl von Rechtssicherheit hatten, konnte das Kultusministerium nicht akzeptieren, dass auch einmal die Bürger ihr Recht bekommen haben und setzt nun alle Hebel in Bewegung, seinen Willen durchzusetzen.

Prof. Wöller sollte sich für diese Art der Politik schämen. Die Bürgerinnen und Bürger dürfen sich das nicht gefallen lassen. Ich werde auf politischer Seite im Landtag und im Kreistag weiterhin meinen Teil dazu beitragen, diesem Treiben ein baldiges Ende zu setzen.

Wechsel in Thüringen

Der Landtagsabgeordnete Thomas Hartung ist heute von der Linken
zur SPD übergewechselt. Der 39-Jährige gab am Morgen seinen Austritt aus Fraktion und Partei bekannt, wie Thüringer Zeitungen berichten. Der Schritt folgt einer längeren Auseinandersetzung zwischen Hartung und der Landespartei, bei der es vor allem um die Weimarer Stadtratsfraktion geht: Hartung hatte im vergangenen Jahr gemeinsam mit anderen die dortige Linksfraktion verlassen und eine „Neue Linke“ gegründet. Man wolle „eine konsequent soziale und ökologische Politik für die Bürger der Stadt“ machen, hieß es damals – was als Kritik an der Politik der Weimarer Linkspartei verstanden werden musste. Ein Mitstreiter Hartungs polemisierte seinerzeit in einem Interview gegen die „angekommenen, etablierten Funktionäre und Mandatsträger im Osten“. Hartung begründete seinen nunmehrigen Schritt mit der „Blockade meiner Arbeit“ und dem „Rufmord durch den Vorsitzenden der Landtagsfraktion, Bodo Ramelow“ sowie anderen Vertretern der Thüringer Linken. Er wolle „in Zukunft damit fortfahren, für konkret linke und soziale Politik von Unten zu arbeiten und dafür mit politischen Kräften zusammenarbeiten, die mir diese Arbeit ermöglichen“. Dass dies nun ausgerechnet die Matschie-SPD sein soll, hinterlässt viele Fragen. Zumal Hartung noch im Januar – als Vertreter der Antikapitalistischen Linken – in einem Interview kritisierte, in der PDS hätten Leute wie Dietmar Bartsch versucht, “uns zur besseren SPD zu stilisieren” beziehungsweise, “die Grenzen zur Sozialdemokratie zu verwischen”. Auf Hartungs Website gab esim Laufe des Vormittags nur einen kurzen aber treffenden Hinweis: “Wegen inhaltlicher und organisatorischer Erneuerung vorübergehend geschlossen.” Erste Reaktionen aus dem Landesverband: Verärgerung und Enttäuschung. Von Anfang an, habe es eine Tendenz zur Privatisierung des Mandats und eine mangelnde Einordnung in die Fraktion gegeben, heißt es bei der Thüringer Linken. “Dass er dazu jetzt eine öffentliche Legende verbreitet, die davon ablenken soll”, so Ramelow, “ist menschlich nicht sonderlich anständig”. Hartung wird sich als parteiloser Abgeordneter in der SPD-Fraktion zunächst mit gesundheitspolitischen Themen beschäftigen. (tos)

Wöller hält Kreischas Eltern weiter hin – es muss endlich eine Entscheidung her

Es ist eine Schande, wie diese Staatsregierung mit den eigenen Bürgerinnen und Bürgern umgeht. Proteste, Bittbriefe und sogar Klagen tangieren den Ministerpräsidenten und sein Kabinett in keinster Weise. In Bezug auf die Mittelschule Kreischa hat sich der Kultusminister Roland Wöller nun seinen Chef zum Vorbild genommen und will sämtliche Probleme einfach aussitzen, damit man sie nicht lösen muss. Diese, in letzter Zeit zu häufig praktizierte Taktik, geht in Kreischa zu Lasten der Schülerinnen und Schüler und der Eltern. Das schadet in erster Linie der Qualität der Bildung in unserem Landkreis und letztendlich dem ganzen Freistaat.

Gerade im Bezug auf Bildung war in den letzten Wochen immer wieder die Rede vom Abbau liebgewonnener Standards. Ein Abbau wird uns dramatisch vor Augen geführt, der Abbau des Standards der Staatsregierung, der nie besonders hoch war aber mit dem jetzigen Verhalten seinen Tiefpunkt erreicht hat.

Ich fordere daher Prof. Wöller auf, endlich aktiv zu werden, die Bürokratie in seinem Hause über Bord zu werfen und im Sinne der zukünftigen Generationen schnellstmöglich eine Entscheidung zum Erhalt des Schulstandorts Kreischa herbeizuführen.“

Viele kleine Schritte

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Da wurde gestern sehr genau in Richtung Düsseldorfer Landtag
geschaut: Was wird mit dem rot-grünen Antrag zur Abschaffung der Studiengebühren? Die rot-grüne Minderheitsregierung hat die ursprünglich geplante direkte Abstimmung dann aber vertagt, für eine erste Kraftprobe war es offenbar noch zu früh. Vor allem, weil es noch Beratungsbedarf mit der Linken gibt, auf deren Stimmen SPD und Grüne in dieser Frage setzen, die aber eine weitergehende Forderung verfolgt. „Die Koalition war nicht bereit, unseren Änderungsvorschlägen zuzustimmen, eine Abschaffung spätestens zum Sommersemester 2011 und einen finanziellen Ausgleich für die Hochschulen vorzusehen“, erklärte Özlem Demirel von der Linksfraktion. „Deshalb hätten wir den Antrag von SPD und Grünen abgelehnt.“ Die Fraktionen wollen das Thema nun erst einmal im Wissenschaftsausschuss des Landtags weiter beraten und nach der Sommerpause einen neuen Versuch starten. Am späteren Abend zeigte das Düsseldorfer Parlament dann aber doch noch, wozu eine rot-rot-grüne Stimmenmehrheit in der Lage ist: Der Landtag verabschiedete einen von der Linken vorgelegten Antrag, mit der in Nordrhein-Westfalen die umstrittene Residenzpflicht von Asylbewerbern und Geduldeten de facto aufgehoben wird.

„Asylbewerber und Geduldete sollen sich erlaubnisfrei im gesamten Gebiet des Bundeslands Nordrhein-Westfalen aufhalten dürfen“, heißt es in der Vorlage, der SPD und Grüne geschlossen zustimmten, nach dem ein Passus aus der Antragsbegründung gestrichen worden war. „Die Landesregierung wird daher insbesondere dazu aufgefordert, alle Möglichkeiten für eine Lockerung der räumlichen Beschränkungen, denen Asylbewerber und geduldete Ausländer im Land NRW aufgrund des Asylverfahrensgesetzes und des Aufenthaltsgesetzes unterliegen, auszuschöpfen.“ Die Erteilung der so genannten Verlassenserlaubnisse („Urlaubsscheine“) soll künftig „weitgehend im Sinne der Antragsteller gehandhabt“ werden.

Wie die rot-grüne Minderheitsregierung, ihr neuer Innenminister Ralf Jäger von der SPD, vor allem aber der „Apparat“ diese Parlamentsentscheidung umsetzt, wird sich zeigen. Ungeachtet dessen ist die Zustimmung ein weiterer Schritt auf dem mühsamen Weg zu einer bundesweiten Abschaffung der Residenzpflicht.

In Brandenburg hatte die rot-rote Landesregierung bereits Anfang des Monats per Kabinettsverordnung entschieden, die EU-weit einmalige Beschränkung der Bewegungsfreiheit von Menschen für die dort knapp 1.200 Asylbewerber aufzuheben. Auch das rot-grün regierte Bremen will die Regelung kippen – einen entsprechenden Gesetzentwurf haben SPD und Grüne in die Bürgerschaft eingebracht. In Niedersachsen hat die Linkspartei in den Landtagen einen entsprechenden Vorstoß unternommen, die Linksfraktion im Bundestag will die Residenzpflicht ersatzlos streichen. In Schleswig-Holstein fordern Grüne, SPD und SSW eine Abschaffung, die Linksfraktion in Kiel setzt sich für die Gebührenfreiheit bei den Urlaubsscheinen ein. Auch die sächsische SPD setzt sich inzwischen für ein Ende der Residenzpflicht für Flüchtlinge ein. Der sozialdemokratische Bundesvorstand hatte sich im Juni für „die grundsätzliche Abschaffung der heutigen Residenzpflicht“ ausgesprochen, will aber an einer Wohnort-Regelung festhalten. Ohne diese sei “zu befürchten dass es zu einer besonders hohen finanziellen Belastung der urbanen Ballungszentren kommt“, heißt es bei der SPD. Allerdings trete man für eine „neue Freizügigkeit“ ein, die nur noch in Einzelfällen eingeschränkt werden soll. Für eine komplette Streichung der Residenzpflicht hatten sich im Frühjahr im Rahmen einer Online-Petition beim Bundestag über 11.000 Menschen eingesetzt, die Eingabe befindet sich derzeit in der „parlamentarischen Prüfung“.

Mit dem am Donnerstag beschlossenen Antrag in Nordrhein-Westfalen wird nun auch eine Bundesratsinitiative wahrscheinlicher. Länder wie Baden-Württemberg lehnen Vorstöße wie jenen aus Brandenburg zwar bislang ab. Aber die Front der Gegner wird langsam breiter. Was nicht zuletzt mit einem sich langsam verändernden öffentlichen Klima zusammenhängt. Waren es erst vor allem Initiativen gegen die Residenzpflicht, die sich seit Jahren gegen die Regelungen stark machten (etwa hier und hier), wird die „Gefangenschaft im Asyl“ heute selbst von Zeitungen kritisiert, die bisher nicht als besonders flüchtlingsfreundlich aufgefallen sind.

Einen Überblick über das Ausmaß der Residenzpflicht in Deutschland hatte unlängst eine Kleine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag zutage gefördert: Nach der Antwort der Bundesregierung unterlagen Ende Mai 2010 bundesweit über 126.000 Menschen den räumlichen Aufenthaltsbeschränkungen. Schwarz-Gelb sieht diese weder als politisch noch juristisch fragwürdig an: „Das Bundesverfassungsgericht hat die räumliche Beschränkung und ihre Strafbewehrung in vollem Umfang für verfassungsmäßig erklärt“, heißt es in einem Schreiben des Innenministeriums vom Juni. Auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte habe die Regelung für zulässig erklärt. Es bestehe daher kein Anlass, „das grundsätzliche Festhalten an den Regelungen zur räumlichen Beschränkung“ aufzugeben. (tos)

Sieben Stimmen

Nun, eine „Überraschung“, wie der WDR meint, war es keineswegs,
dass die Kandidatin der Linkspartei bei der Wahl zur Vizepräsidentin des NRW-Landtags einen zweiten Anlauf benötigte. Der Stab über Gunhild Böth war längst gebrochen, und zwar von einer anderen ARD-Anstalt: Der SWR hatte die Lehrerin kurz nach der Wahl im Mai mit knappen Aussagen zur DDR vorgeführt, die Böth nicht „in toto“ als Unrechtsstaat bezeichnen wollte und deren Aufbauleistungen sie „sehr beeindruckend“ fand. Ihre Nominierung zur Landtagsvize stand also unter dem Stern von Report Mainz, und einige in der CDU hatten der „kommunistischen“ Linken ja sogar ganz den Parlamentsposten streitig machen wollen (mehr hier). Das Scheitern Böths im ersten Wahlgang ist aber dennoch bemerkenswert, aus einem anderen Grund: Auch Abgeordnete von SPD und/oder Grünen müssen sich gegen die 58-Jährige ausgesprochen haben. Jedenfalls, wenn man einmal voraussetzt, dass sie die elf Stimmen der Linksfraktion sicher hatte. Böth kassierte zunächst 87 Nein-Voten (von 180), CDU und FDP kommen aber nur auf 80 Mandate. Der symbolische Tritt einer rot-grünen Minderheit im Landtag, der zu einer ebenso kritischen wie differenzierten Debatte über den Realsozialismus nicht ein Gramm beiträgt, hat so das Zeug, eine mögliche Kooperation zwischen der Linken und der Minderheitsregierung abermals zu erschweren. Und zwar auch in Fällen, wo es nicht um Erich Honecker, sondern zum Beispiel um die Studiengebühren geht. Im zweiten Wahlgang hat Böth dann die nötige Mehrheit erhalten – kurioser Weise kamen nun sogar mehr Stimmen zusammen, als SPD, Grüne und Linkspartei an Mandaten zählen (100 von 178). Die Geschichte der symbolischen Abstrafungen von Kandidaten, die in späteren Wahlgängen dann doch noch die nötige Stimmenzahl erhalten, ist um eine Episode reicher. Mal sehen, wie lange am Mittwoch Hannelore Kraft braucht, bis sie Ministerpräsidentin ist. (tos)

Düsseldorfer Präsidium

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Im Landtag von Nordrhein-Westfalen beginnt am Dienstag die „Woche
des Machtwechsels“, wie es eine Nachrichtenagentur nennt. Der Unterschied zwischen „an der Regierung sein“ und „an der Macht sein“ kann an anderer Stelle diskutiert werden. Von Dienstag an geht es unter dem Rheinturm zunächst um ziemlich formal Parlamentarisches: ein fraktionsübergreifender Antrag zur Überprüfung aller Abgeordneten auf eine frühere Stasitätigkeit, die Besetzung der Ausschüsse, die Wahl der Ministerpräsidentin und die Vereidigung der Minister. Zuerst steht aber die Wahl des Landtagspräsidiums an – und da zeigt sich die CDU uneins in ihrem Verhältnis zur Linkspartei. Hatte man im Wahlkampf noch unisono gegen die „Kommunisten“ Front gemacht, zeichnen sich in der NRW-Union nun zwei Lager ab: das eine will der Linksfraktion das Amt einer stellvertretenden Landtagspräsidentin am liebsten verweigern, das andere gesteht ihr den Posten in alter Parlamentstradition zwar zu, will aber die von den Linken vorgeschlagene Kandidatin Gunhild Böth wegen Äußerungen zur DDR nicht wählen.

Die Linke hatte zuvor avisiert, den bisherigen CDU-Umweltminister Eckhard Uhlenberg zum Landtagspräsidenten mitzuwählen. Gemeinsam mit Union und FDP würde er in diesem Fall 91 Stimmen erhalten – das ist die absolute Mehrheit. Der Landwirt hat seinerseits erklärt, dies sei ihm trotz der Schlagzeilen von der schwarz-gelb-dunkelroten Mehrheit nicht unrecht: „Sie sind in den Landtag gewählt worden“, so Uhlenberg, „da habe ich kein Problem damit, von den Linken gewählt zu werden.“ Sein Fraktionschef Karl-Josef Laumann hingegen meint, „dass die Linke nicht im Präsidium vertreten sein muss“ und fürchtet die Stimmen der elf Abgeordneten. Da aber auch Grüne und SPD angekündigt haben, Uhlenberg nur mitzuwählen, wenn der Linken der Posten im Präsidium zugestanden wird, dürfte die CDU dem Posten für die Linken zustimmen, sich aber deren Kandidatin Böth verweigern. Springt die CDU nicht über ihren Schatten, könnte Uhlenberg die nötigen Stimmen verfehlen und die SPD käme beim Landtagspräsidenten zum Zuge. „Sollte es so kommen, wäre das eine Kriegserklärung; dann ist die Türe für diese Legislaturperiode zu“, wird ein CDU-Funktionär zitiert. Die Drohung klingt einigermaßen hohl, nachdem die Partei ohnehin auscgeschlossen hatte, irgendwelchen Vorschlägen der rot-grünen Minderheitsregierung zuzustimmen. Laumann hatte im Koalitionsvertrag nichts gefunden, “was für uns auch nur im Entferntesten zustimmungsfähig wäre”.

Die Union hat es selbst in der Hand. Mit ein wenig Abrüstung gegenüber der Linken und dem heimlichen Eingeständnis, dass Wahlkampfbroschüren a la „Rotbuch“ sich dann in Papiere des Ungemachs verwandeln können, wenn man doch einmal auf die Stimmen der ungeliebten Linksfraktion angewiesen ist. (tos)

Schöner wohnen

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Nachdem die nordrhein-westfälische CDU schmerzhaft spüren musste, dass nach der Landtagswahl aus dem Motto „Schöner regieren“ nichts geworden ist, hat sie sich nun gegen eine weitere Zumutung zu wehren. Die elf neuen Abgeordneten der Linkspartei samt Mitarbeitern sollten laut Parlamentsverwaltung auf der gleichen Etage einziehen, in der sich bereits Büros der CDU befinden. Weil die Christdemokraten, wenn sie schon nicht schöner regieren dürfen, nicht auch noch weniger schön wohnen wollen, legten sie Protest ein. Platz ist in den Landtagsgebäuden schließlich genug, denn im Vorfeld der Landtagswahl wurde angebaut. Die Erweiterung sollte offiziell mehr Raum für die Verwaltung bieten; tatsächlich baute man der absehbaren neuen Fraktion der Linken vor. Nur durfte das niemand laut sagen, denn die Linke sollte ja nach dem Willen der NRW-Altparteien draußen bleiben. Nun ist sie trotzdem drin, aber die CDU-Leute wollen den Sozialisten nicht auch noch auf den Bürofluren begegnen. Also muss ein Teil der Verwaltung umziehen, damit die Linke eine separate Zimmerflucht bekommt. Ob die CDU nun beantragt, im Plenarsaal rings um die Linksfaktion Trennwände einziehen zu lassen, ist noch nicht bekannt. (wh, Foto: www.wilkemedia.de)

Panne oder Sabotage?

Im Thüringer Landtag ist am Freitag die Wahl der Verfassungsrichter
nach einem seltsamen Vorgang wiederholt worden. Beim ersten Versuch hatte man 88 ausgefüllte Stimmzettel gezählt – obwohl nur 86 Abgeordnete anwesend waren. Nun hat das große Rätselraten begonnen: War es eine Panne oder „Sabotage“, wie man hier lesen kann? Aber welchen Grund sollte es dafür gegeben haben, wo sich die Parteien zuvor doch fraktionsübergreifend auf die Kandidaten geeinigt hatten? Was also ist dran am Vorwurf, die Linke sei für die eher peinliche Angelegenheit verantwortlich? Mehrere Abgeordnete nahmen später deren Fraktion in Verdacht, wird berichtet: Da zwei Mitglieder der Linken fehlten, sei womöglich für diese „mitgewählt“ worden – nur eben zwei Mal zu viel. „Sie haben den Plan offenbar übererfüllt“, wird ein Abgeordneter zitiert. Linksfraktionschef Bodo Ramelow wies diese „Unterstellungen (…) strikt zurück“: Die Ausgabe der Stimmzettel sei so chaotisch verlaufen, dass jeder der teilnehmenden Abgeordneten für die Panne in Frage komme. Möglicherweise wird sich in der nächsten Woche herausstellen, wer hier elektoralen Übereifer an den Tag legte: CDU-Parlamentspräsidentin Birgit Diezel stellte nach einer Sitzung des Ältestenrat ein Ultimatum: Entweder der oder die Mehrfachabstimmer würden sich in der kommenden Woche vertraulich an sie wenden. Oder der Ältestenrat greift zu kriminalistisch anmutenden Ermittlungsmaßnahmen, etwa die Sichtung der Filmaufnahmen vom Pannenwahlgang. C.S.I. im Thüringer Landtag – das ist doch mal was. Übrigens: Die Verfassungsrichter wurden alle mit übergroßer Mehrheit ins Amt gewählt. (tos)

Wider besseren Wissens verweigert schwarz-gelbe Koalition Beratung über Antrag gegen Schulschließungen

Zur Ablehnung der Dringlichkeit des Antrages der LINKEN auf Rücknahme der Schulschließungen, Nichtzulassung von Eingangsklassen und auf Missbilligung des Kultusministers durch die CDU/FDP-Koalition zu Beginn der heutigen Parlamentssitzung erklärt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag, Cornelia Falken:

Offenbar sah sich die schwarz-gelbe Koalition außerstande, sich in einer Debatte über unseren Antrag schützend vor den Kultusminister zu stellen, denn Herr Wöller hatte Landtag und Öffentlichkeit mit seiner Behauptung hinters Licht geführt, es gehe nur um Klassenbildung, nicht um Schulschließungen.

Ähnlich wie der Kultusminister ist aber die ganze CDU/FDP-Koalition offenbar schulpolitisch mit den Fakten auf Kriegsfuß, weiß doch jeder, dass eine Behandlung dieses Themas erst im Juni-Plenum aufgrund der geltenden Einspruchsfristen zu spät käme.

Die öffentliche Diskussion über Schulschließungen gegen den Willen der Menschen vor Ort, und das teilweise sogar trotz Einhaltung der Mindestanmeldungszahlen, wird weitergehen, ob die schwarz-gelben Koalitionäre wollen oder nicht.

So findet am Sonnabend, dem 12. Juni, von 10 bis 13 Uhr im Sächsischen Landtag (Raum A 400) ein Schulinitiativen-Treffen zum Thema „Neue Schulschließungswelle verhindern!“ statt. Dazu haben LINKEN-Fraktionsvorsitzender André Hahn und die Bürgerbeauftragte unserer Fraktion, Andrea Roth, bereits eingeladen.