Der frühere Vorsitzende der Linkspartei hat dem Tagesspiegel ein Interview gegeben. Oskar Lafontaine lobt darin die neue Doppelspitze, kritisiert die einseitige Berichterstattung und mancherlei Kampagne in den Medien und mahnt seine Genossen: „Wir machen aber auch Fehler. Wir sollten uns nicht überflüssige interne Debatten liefern, sondern die politische Auseinandersetzung mit den anderen Parteien suchen.“ Dass die Linke zurzeit nicht recht vorankomme (bei Forsa erstmals seit einem Jahr wieder einstellig, insgesamt leicht zurückgehende Umfragetendenz), führt der Saarländer dabei unter anderem darauf zurück, „dass einige wenige unserer Mitglieder die Partei oder unsere führenden Politiker regelmäßig öffentlich kritisieren, statt mit inhaltlichen Vorschlägen zu glänzen, die unsere Wähler überzeugen würden“. Einige Mitglieder?
Lafontaine meint nicht etwa jene, welche die parteiinternen Zwistigkeiten in Bayern, Rheinland-Pfalz und anderswo am köcheln halten. Sondern „die Reformer“. Der Ex-Vorsitzende im Tagesspiegel: „In den Medien werden diese Mitglieder Reformer genannt. Das ist erstaunlich, da mir kein einziger Reformvorschlag dieser Personengruppe bekannt wurde.“ Man kann das für eine Retourkutsche wegen der öffentlichen Kritik an Klaus Ernst halten. Eher ist es eine mehr oder weniger listige Unterstützung jener in der Linkspartei, die sich nicht dem „Reformerlager“ zurechnen. Lafontaine hat ein Argument in die Welt gebracht, dessen vielfache Benutzung in Programm- und Parteidebatte vorhersehbar ist: Die „Reformer“, womit ja niemand anderes als das Forum Demokratischer Sozialismus gemeint ist, hätten keine eigenen Ideen und Vorschläge, würden immer nur kritisieren: „Das sagt der Oskar auch.“ Nur: Wenn Lafontaine „kein einziger Reformvorschlag dieser Personengruppe bekannt“ ist, heißt das ja nicht, dass es keinen gibt. Vielleicht hat der Saarländer ja auch etwas übersehen – oder er erklärt, indem er „nichts“ sieht, das, was vorhanden ist, für untauglich als Reformvorschlag. Wie dem auch sei: Man muss die politischen Vorstellungen des Forums nicht teilen, aber es gibt sie – nachzulesen zum Beispiel auf der Homepage des fds.
Inzwischen hat das Forum – wenn auch als letzte unter den maßgeblichen Strömungen der Linken – eine ausführliche Wortmeldung zum Programmentwurf angekündigt. Am vergangenen Wochenende hat sich der fds-Bundesvorstand auf 13 Thesen verständigt, die als „Angebot an die programmatische Debatte“ in den kommenden Tagen veröffentlicht werden. (vk)


