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Posts mit dem Tag ‘Strömungen’

Sorgenkind im Süden

Im Umfeld der jüngsten Auseinandersetzungen in der Führung der Linkspartei waren Klischees schnell bei der Hand: Ostler gegen Westler, Regierungsfreunde gegen Regierungsfeinde, Realos gegen Fundis. Dass handfester Streit auch ohne solche Kategorien geht, führt derzeit der Landesverband Bayern vor. Ein Beitrag im Neuen Deutschland

Nächste Schläge

Oskar Lafontaine hat sich mit einer Rede zurückgemeldet und die „Personalquerelen“ als überflüssig bezeichnet. Der Streit geht derweil weiter und er behält von interessierter Seite jenen Ton, der Lothar Bisky zu dieser Äußerung veranlasst haben mag: „Wir haben uns große Mühe gegeben, den Stalinismus zu überwinden. Aber doch nicht, um ihn wieder durch die Hintertür einzuführen.“ Der Vergleich steht ziemlich schief im innerparteilichen Wind, wenn man historische Maßstäbe anlegt. Dem scheidenden Linken-Chef geht es aber um etwas anderes – eben um die Art der Auseinandersetzung und die dieser innewohnende Tendenz.

Albrecht Müller zum Beispiel weiß auf den Nachdenkseiten.de vom „nächsten Schlag (…) der Gruppe um Bartsch“, die zum „inneren Machtausbau“ nun auf ein schlechtes Ergebnis in Nordrhein-Westfalen setzen würden und „vermutlich viel tun (wird), um die Unruhe und die schlechten Kommentare und Berichte am Laufen zu halten“. Der Bundesgeschäftsführer sei, heißt es in völliger Umkehrung der jüngsten Geschehnisse, „bereits kräftig mit der Demontage“ von Gregor Gysi beschäftigt. Die „Realos bei der Linkspartei“ – Müller ist sonst sehr eifrig dabei, solche Kategorien zu kritisieren – würden „das Image der gesamten Partei beschädigen“. Dass es gerade diese Art der Stimmungsmache ist, ein solche Konfliktkultur, die unabhängige Linke sich mit Grausen abwenden lassen wird, jene Mischung aus bloßer Vermutung und unbedingter Anklage, würde Müller wohl nicht glauben wollen oder ebenfalls zum Teil des „nächsten Schlages“ machen. Wenn der frühere Brandt-Berater schreibt, die Führung der Linkspartei müsse sich jetzt auf diesen angeblichen Schlag einstellen, fragt man sich, wer da eigentlich gemeint ist – immerhin gehören die „Realos bei der Linkspartei“ ja auch deren Führung an. Worauf will Müller hinaus? Ihren Rauswurf? Die Reinheit der Partei?

Einen ähnlichen Ton pflegt mitunter die Junge Welt, die am Dienstag ein Interview mit dem früheren DDR-Ministerpräsidenten Hans Modrow veröffentlichte und dabei eine in Frageform gekleidete Kampfansage formulierte. „In der Linkspartei ist jedenfalls einiges aus dem Ruder gelaufen. War es Führungsschwäche von Parteichef Oskar Lafontaine, dass er es versäumt hat, den von Bartsch gesteuerten Parteiapparat in den Griff zu bekommen? Dasselbe gilt für die Rosa-Luxemburg-Stiftung und das Neue Deutschland – auch da hat er offenbar nichts zu bestellen, obwohl er der Vorsitzende ist.“ Hier wird unverhohlen die starke Hand des großen Vorsitzenden beschworen und man fragt sich mit einiger Sorge, was Peter Wolter denn im Sinn hat, wenn er davon spricht, Lafontaine müsse etwas „in den Griff“ bekommen. Ein Zentralorgan und eine Parteischule? Linientreue, Gefolgschaft? Was rechnet sich die Junge Welt denn aus, für den Fall, dass Lafontaine seine “Versäumnisse” korrigiert?

Nun mag man Einlassungen wie jene von Wolter und Müller als Randerscheinungen ansehen, als Ausdruck einer Herangehensweise, die in der Linkspartei nicht besonders verbreitet ist. Nur ist es allerdings so, dass die jetzige Auseinandersetzung bereits den Ton der nächsten vorgibt, die jetzige „Lösung“ des Streits bereits Fakten schafft, welche die Partei in Zukunft verändern könnte. Etwa in der Frage des Vorschlagsrechts für den Bundesgeschäftsführer. Oder in der Personalisierung von programmatischen Fragen. Die Emanzipatorische Linke hat das Pech, ihre Stellungnahme „zum Konflikt in der Führungsspitze“ erst veröffentlicht zu haben, als dieser offiziell schon für beendet erklärt war. Das Papier verdient aber gerade deshalb Beachtung, weil es die Tendenz dieses Streits, also seine möglichen Folgen auf innerparteiliche Spielregeln, die Demokratie in der Linken, ihren Pluralismus und den Anspruch einer kooperativen Organisationskultur zum Thema macht. (tos)

Lafontaine meldet sich

Bild 3

Oskar Lafontaine hat beim Neujahrsempfang in Saarbrücken sein
langes Schweigen beendet. Was der Linken-Chef da vor rund 500 Gästen gesagt hat, verdient mehr Beachtung als von jener Art, die sich auf die Frage nach seiner Rückkehr beschränkt. Die ließ er ohnehin offen. „Niemand ist unersetzlich“, so der Saarländer, „unersetzlich sind nur eine Politik und eine Strategie der Linken, die von immer mehr Wählerinnen und Wählern akzeptiert werden.“ Wohin soll die Reise gehen? Lafontaine hat in wichtigen Punkten noch einmal seine Position unterstrichen:

Ja zur Regierungsbeteiligung, aber nur „wenn wir im Sinne unserer Programmatik die Politik verändern“. Den Koalitionsvertrag in Brandenburg hätte der Linken-Chef nicht unterschrieben, den Genossen aus der PDS schreibt er in Stammbuch, sie hätten „leider mit Regierungsbeteiligungen nicht die besten Erfahrungen gemacht“. Skepsis ist auch beim Stichwort „Grundsatzprogramm“ herauszuhören, die Eckpunkte seien „eine hervorragende Grundlage unserer politischen Arbeit“ und bräuchten den Vergleich nicht zu scheuen. Ohnehin würden sich Grundsatzprogramme der Parteien „in der Formulierung allgemeiner Ziele ähneln“, weshalb man Punkte herausarbeiten müsse, welche die Linke von anderen unterscheiden – das Wort „Markenkern“ taucht im Redemanuskript gleich vier Mal auf. Zu diesem zählt Lafontaine elf Punkte, die einige Essentials der Partei wiederholen, teils aber auch sehr von der Aktualität geprägt sind. Gleich in drei Punkten geht es um die Unabhängigkeit von Politikern von Unternehmensgeldern, Spenden und dergleichen. Die Affäre Finck lässt grüßen.

Lafontaine hat am Dienstagabend seine Partei dazu aufgerufen, sich auf den Einzug der Linken in Nordrhein-Westfalen zu konzentrieren. Über die richtige Strategie würden nicht die Strömungen entscheiden und auch nicht die Kommentatoren in den Medien, sondern die Wähler. Die „Personalquerelen“ nennt Lafontaine „überflüssig“, „das Notwendige“ dazu hätten Gregor Gysi und Klaus Ernst gesagt. „Da nicht alle Akteure einander in tiefer Sympathie und Zuneigung verbunden sind, muss man sich wie im Alltag an Regeln halten, die ein solidarisches Miteinander ermöglichen“, sagt Lafontaine. Eine Nachrichtenagentur vermerkte dazu, es habe an dieser Stelle “lauten Jubel seiner Anhänger” gegeben. Ein Wort zu  Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch fand der Linken-Chef nicht. Schweigen kann auch eine sehr deutliche Äußerung sein. (tos)

Reaktionen

Die Erklärung von Dietmar Bartsch hat viele Reaktionen ausgelöst – bei jenen, die dem 51-Jährigen zuletzt den Rücken gestärkt hatten, aber auch von seinen Kritikern. Aus den Landesverbänden, die sich aktiv um eine Ablösung des Bundesgeschäftsführers bemüht hatten, war bis zur Tagesschau allerdings wenig zu hören. Eine kleine Sammlung, unsortiert und keiner “politischen Auswahl” folgend:

Gregor Gysi (Vorsitzender Bundestagsfraktion)
Matthias Höhn (Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt)
Halina Wawzyniak
(MdB und stellv. Parteivorsitzende)
Steffen Bockhahn (Landesvorsitzender MV)
Alexander Ulrich (MdB und Landesvorsitzender RLP)
Bodo Ramelow (Fraktionsvorsitzender Thüringen)
Kerstin Kaiser (Fraktionsvorsitzende Brandenburg)
Gesine Lötzsch (Fraktionsvize Bundestag)
Klaus Lederer (Landesvorsitzender Berlin)
André Hahn (Fraktionsvorsitzender Sachsen)
Fabio De Masi (Mitarbeiter und Briefeschreiber)
Heinz Vietze (Vorstand der Luxemburg-Stiftung)
Jürgen Reents (Chefredakteur Neues Deutschland)
Hans Peter Schütz (Bartsch-Kritiker in Stern-Diensten)
André Brie (Ex-Wahlkampfchef)
Peter Ritter (Ex-Landesvorsitzender MV)
Petra Pau (Bundestags-Vizepräsidentin)

Bartschs Erklärung

Man kann seinen Schlagzeilen ebenso schwer entkommen wie unfreundlichen Umarmungen seitens der SPD: „Lafontaine-Gegner
Dietmar Bartsch gibt auf“, schreibt die Welt. „Bartsch zieht sich zurück“, liest man bei der Frankfurter Allgemeinen. Wer die Erklärung des Bundesgeschäftsführers gelesen hat, sollte eigentlich zu anderen Interpretationen fähig sein: Der 51-Jährige hat zwar angekündigt, im Mai nicht mehr für sein bisheriges Amt zu kandidieren. Eine Kapitulation ist das aber nicht – eher eine Mischung aus Dienst an der Partei und politischer Kampfansage. Einerseits verweist Bartsch auf die entstandene Situation, welche „die Politikfähigkeit der Partei gefährdet“, andererseits stellte er in Aussicht, weiter „als politischer Akteur“ in der Linken um Programm und Strategie zu kämpfen. Man könnte das Loyalität gegenüber der Partei nennen. Deshalb sind die vergifteten Angebote aus der Sozialdemokratie auch so unsäglich. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier hat auf die Ankündigung Bartschs mit dem Satz reagiert: „Wer von denen den Weg zur SPD gehen will, findet offene Türen.“ Björn Böhnings hat per Twitter die Einladung ausgesprochen: „Lieber Dietmar, dann komm doch einfach in die SPD!“ Und SPD-Chef Sigmar Gabriel hat kritisiert, dass „weltoffene und verantwortungsbewusste Menschen (…) neben Oskar Lafontaine keinen Platz“ hätten. Stichworte, die sich die innerparteilichen Kritiker des Bundesgeschäftsführers sicher nicht entgehen lassen werden. Gregor Gysi, der am Montag Bartsch – sagen wir es ruhig so: geopfert hatte, um den sich auswachsenden Streit in der Linken einzudämmen, hat erklärt, er halte dessen Entscheidung „im Unterschied zu einigen anderen“ für „politisch erforderlich“. Der Linksfraktionschef wünschte sich darüber hinaus, dass Bartsch „mein Stellvertreter wird, er muss entscheiden, ob und wann er das will“. (tos)

„Nicht tragfähig“

Halina Wawzyniak, stellvertretende Vorsitzende der Linkspartei, hat Dietmar Bartsch aufgefordert, beim Rostocker Parteitag im Mai erneut als Bundesgeschäftsführer zu kandidieren. Dies wäre, sagte sie dem Tagesspiegel, ein gutes Signal für den Zusammenhalt in der Linken. Der von Gregor Gysi am Montag gegen Bartsch öffentlich erhobene Vorwurf der Illoyalität gegenüber Oskar Lafontaine habe sich „als nicht tragfähig herausgestellt“. Gegenüber der Frankfurter Rundschau erklärte sie, die Gysi-Rede sei nicht seine klügste politische Leistung gewesen. Damit geht Wawzyniak in der Kritik an Gysis Vorgehen weiter als viele ebenfalls frustrierte Linkspolitiker aus dem Osten, die es aber meist bei dem Appell “Wir brauchen beide – Lafontaine und Bartsch“ belassen.

Wawzyniak bezeichnet auf ihrer Internetseite den Illoyalitätsvorwurf gegen Bartsch als „absurd und/oder konstruiert“ und verweist in diesem Zusammenhang auf einen Beitrag im Neuen Deutschland vom Dienstag, in dem darauf hingewiesen wird, dass die vermeintlich illoyale Äußerung Bartschs gegenüber dem Spiegel – ein Rückzug Lafontaines vom Fraktionsvorsitz sei im kleinen Führungszirkel der Partei schon vor Monaten diskutiert worden – gar nicht illoyal war. Denn faktisch dieselbe Aussage hatte Bartsch schon drei Wochen zuvor im ND getroffen, und niemand fand etwas dabei. Einen Tag später, am Mittwoch, schob das ND „Sieben Fragen zur Streitkultur in der Linken“ nach, die auf allerhand Ungereimtheiten in der Argumentation der Bartsch-Kritiker eingehen und in denen laut Wawzyniak alles auf den Punkt gebracht wird – bis hin zu der Frage, warum Lafontaine zu dieser Zerreißprobe seiner Partei schweigt, obwohl Gysi erst kürzlich nach einem Besuch im Saarland erklärt hatte, man könne mit Lafontaine über alles sehr gut reden. Irritiert durch Gysis Auftritt in Berlin, forderte Wawzyniak nach eigener Darstellung im Anschluss eine Sitzung des geschäftsführenden Vorstands, die aber nicht einberufen wurde. Nun fragt sich die Frau, die ja immerhin Stellvertreterin von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky ist, wer eigentlich dem von Dietmar Bartsch erwähnten engsten Führungszirkel angehört – sie selbst ja offenbar nicht, sonst wüsste sie es – und worüber er entscheidet. (vk)

Parteilich sein

„Unser Parteivorstand ist weder die junge Welt, noch das Neue Deutschland, geschweige denn der Spiegel oder Stern online“. Auch dieser Satz aus der Rede von Gregor Gysi hat einige Verbreitung gefunden – zum Beispiel über die zuerst genannte Zeitung. Der Fraktionschef hat mit seiner Formulierung andeuten wollen, dass die Linke sich ihre innerparteilichen Debatten nicht aus der Hand nehmen lassen soll – was ja meist passiert, wenn versucht wird, über die mediale Bande zu spielen: „Wir sind die Partei!“, warnte Gysi. Nun weiß auch der Fraktionschef, dass die Linke aus allerlei Strömungen und informellen Bündnissen besteht, die sich in vielen Fragen nicht grün sind und deren Streit in einer Öffentlichkeit stattfindet, die der Partei als Ganzes nicht gerade wohlgesonnen ist. Für „Mitglieder der Linkspartei“ müssten deshalb mindestens Springers Blätter und der Spiegel sowie Focus „für den parteiinternen Diskurs absolut tabu sein“, konnte man vor einiger Zeit auch in der jungen Welt lesen. Das Blatt selbst nimmt für sich in Anspruch, in diesen Konflikten parteilich sein zu dürfen.

Ein Problem? Das kommt darauf an. In der jungen Welt hatte eine bestimmte Lesart des Streits um Dietmar Bartsch zuerst den Weg in die Öffentlichkeit gefunden. Unter anderem mit der anonym weiterzitierten Behauptung, dass „die Falschinformationen, mit denen Lafontaine beschädigt werde, ausgerechnet vom Bundesgeschäftsführer an die Presse gespielt wurden“. Nun hat Gysi am Montag Bartsch zum Auslöser der Debatte erklärt, am Anfang des Ganzen habe ein Fehler des Bundesgeschäftsführers gestanden. Die junge Welt, die den Konflikt in den vergangenen Wochen mehr bearbeitet als begleitet hat, schrieb: „Hintergrund des Konflikts“ sei, dass Bartsch „einige Medien über eine angebliche Affäre des Partei- und Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine mit einer Bundestagsabgeordneten informiert haben“ soll. Durch beständige Wiederholung ist der Eindruck erweckt worden, genau das sei der Kern des Problems mit dem Bundesgeschäftsführer – so war nicht zuletzt der Tenor der offenen und an die Öffentlichkeit durchgestochenen Briefe der Bartsch-Kritiker, und irgendwann druckten es viele Zeitungen einfach nach. Doch von einem solchen Vorwurf war am Montag keineswegs die Rede und einen Beleg dafür hat auch noch niemand beigebracht.

Die Gerüchte sind weit älter und wer unter Journalistenkollegen fragt, bekommt zur Antwort, man habe von dieser angeblichen Affäre auch schon schon vor Jahren gehört. Gysi hatte zu den beiden „Fehlern“ Bartschs auf Nachfragen erklärt, der eine sei die im Spiegel zitierte Äußerung, nach der es „schon Anfang des Jahres (…) im engsten Führungskreis Diskussionen darüber“ gegeben habe, dass Lafontaine „nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird“. Ähnliches hatte er auch vorher schon öffentlich angedeutet, etwa im Neuen Deutschland. Bliebe am Ende als konkreter Vorhalt übrig, dass Bartsch ausgeplaudert habe, was ja auch viele längst wussten: Dass Oskar Lafontaine das Zentrum seines politischen Wirkens nicht im Karl-Liebknecht-Haus sah, weshalb der dortige Ko-Vorsitzenden-Schreibtisch leer geblieben sei. Ist das etwa der Skandal, der rechtfertigt, „Bartsch unter Beschuss“ zu nehmen, wie es in der Sprache der jungen Welt hieß? Natürlich geht es natürlich wie alle wissen um anderes – um Programmfragen, die Regierungsdebatte, die Machtarchitektur an der Spitze der Linkspartei, den Einfluss von Strömungen auf die Politik, offene Rechnungen aus alten Zeiten und so weiter. Eine von denen muss Bartsch nun offenbar bezahlen.

Unlängst wurde hier in einem Kommentar gefragt, warum der Blog nicht „Bartschs Linke“ heißt – offenbar, weil hier Fragen gestellt wurden, die nicht in die von einem Teil der Linkspartei angefeuerte Stimmung gegen den Bundesgeschäftsführer passte. Es klang ein wenig wie ein Vorwurf: parteilich zu sein. Nun ja, das hier ist nicht die Außenstelle von irgendwem. Wo es angebracht ist, wird auch hinter die ressentimentgeladene Kritik an der “Linken” in der Linkspartei geleuchtet. Am Wochenende etwa druckte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung einen Text über die „Antiimperialistische Front“ – gemeint waren die so genannten Fundis, die die Außenpolitik der Linkspartei dominieren würden. In dem Text erfährt man viel über die Vergangenheit von Politikern, ein allgemeines Geraune über Stasi, Trotzki und „Gesinnungsfreunde“. Über außenpolitische Differenzen in der Linken erfährt man in dem Text nichts. (tos)

Unvermindert

„Machtstreit bei Linken geht unvermindert weiter“, meldet am Nachmittag eine Nachrichtenagentur – und ist damit in großer Gesellschaft. Nach der Klausur der Linksfraktion, über die man aus den Zeitungen vor allem erfuhr, wer was gegen oder für Dietmar Bartsch ins Felde führte, geht die Debatte um den Bundesgeschäftsführer weiter. Der Landessprecher in Nordrhein-Westfalen legte Bartsch im WDR einen raschen Rücktritt nahe, die stellvertretenden Landesvorsitzenden aus Sachsen-Anhalt und Sachsen nannten ihn dagegen „unverzichtbar“. Gysis Ansprache vom Montag fiel erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo – der Westbeauftragte Uli Maurer sprach von einer „hervorragenden Rede“, Parteivize Halina Wawzyniak sagte dagegen, es wäre nicht die „klügste politische Leistung“ des Linksfraktionschefs gewesen. Die Liste solcher und ähnlicher Einlassungen ist auch heute wieder lang. Bartsch selbst hielt sich bedeckt und sagte, die Partei müsse „zur Ruhe kommen“, er wolle “keine ad-hoc-Entscheidung” treffen – allerdings sei “mit dem gestrigen Tag (…) natürlich eine neue Situation entstanden”. Die Suche nach der „Lösung“, von der Gysi gesprochen hat und die „wehtun“ werde, findet ebenfalls in der Öffentlichkeit statt – zumindest in Andeutungen. Eine Nachrichtenagentur will aus Parteikreisen erfahren haben, dass diese davon ausgehen, dass Bartsch schon bald Konsequenzen ziehen werde. Wird irgendein Linken-Politiker mit dem Hinweis zitiert, der Bundesgeschäftsführer werde auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wird daraus geschlossen, dass es einen Wechsel des 51-Jährigen auf ein anderes Amt, gegebenenfalls in der Fraktion, geben könnte. (tos)

Unvermindert

„Machtstreit bei Linken geht unvermindert weiter“, meldet am Nachmittag eine Nachrichtenagentur – und ist damit in großer Gesellschaft. Nach der Klausur der Linksfraktion, über die man aus den Zeitungen vor allem erfuhr, wer was gegen oder für Dietmar Bartsch ins Felde führte, geht die Debatte um den Bundesgeschäftsführer weiter. Der Landessprecher in Nordrhein-Westfalen legte Bartsch im WDR einen raschen Rücktritt nahe, die stellvertretenden Landesvorsitzenden aus Sachsen-Anhalt und Sachsen nannten ihn dagegen „unverzichtbar“. Gysis Ansprache vom Montag fiel erwartungsgemäß auf ein geteiltes Echo – der Westbeauftragte Uli Maurer sprach von einer „hervorragenden Rede“, Parteivize Halina Wawzyniak sagte dagegen, es wäre nicht die „klügste politische Leistung“ des Linksfraktionschefs gewesen. Die Liste solcher und ähnlicher Einlassungen ist auch heute wieder lang. Bartsch selbst hielt sich bedeckt und sagte, die Partei müsse „zur Ruhe kommen“, er wolle “keine ad-hoc-Entscheidung” treffen – allerdings sei “mit dem gestrigen Tag (…) natürlich eine neue Situation entstanden”. Die Suche nach der „Lösung“, von der Gysi gesprochen hat und die „wehtun“ werde, findet ebenfalls in der Öffentlichkeit statt – zumindest in Andeutungen. Eine Nachrichtenagentur will aus Parteikreisen erfahren haben, dass diese davon ausgehen, dass Bartsch schon bald Konsequenzen ziehen werde. Wird irgendein Linken-Politiker mit dem Hinweis zitiert, der Bundesgeschäftsführer werde auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, wird daraus geschlossen, dass es einen Wechsel des 51-Jährigen auf ein anderes Amt, gegebenenfalls in der Fraktion, geben könnte. (tos)

„Das geht so nicht“

Aus der dritten Reihe der Linkspartei frohlockte es am Montag
bereits überschwänglich: “Ich gebe dem nur noch eine Woche.” So wird es wohl nicht kommen. Aber wer sich heute die Rede von Gregor Gysi beim so genannten Jahresauftakt der Linksfraktion angehört hat, kann nicht mehr viele Zweifel haben: Ab Mai dürfte der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei nicht mehr Dietmar Bartsch heißen. Gysis Kritik war überraschend deutlich – der 51-Jährige habe das Vertrauen des Parteichefs gebrochen, Informationen an die Medien gegeben und damit die Debatte ausgelöst, die bald überall nur noch Machtkampf genannt wurde. „Das geht so nicht“, sagte Gysi – und meinte damit eine Passage aus dem umstrittenen Spiegel-Beitrag vom November, in dem Bartsch mit den Worten zitiert wird: „Schon Anfang des Jahres gab es im engsten Führungskreis Diskussionen darüber, dass Oskar Lafontaine nach der Wahl nicht mehr die Fraktion führen wird“. Die zweite an das Hamburger Magazin gelangte Information, die Bartsch nun angekreidet wird, sei der Hinweis, dass Lafontaines Vorsitzenden-Schreibtisch in der Parteizentrale leer sei. Und nun? „Wir haben ein Problem. Aber wir werden eine Lösung finden“, so Gysi. Auf Nachfragen in der Pressekonferenz sagte der Fraktionschef, „letztlich“ müsse Bartsch die Entscheidung, ob er noch einmal als Bundesgeschäftsführer kandidieren wolle „selbst treffen“. Die Lösung, die sich Gysi vorstellt, werde „wehtun“ aber „ohne Demütigung“ erfolgen – auch nicht gegenüber jenen, die Fehler gemacht hätten. Bartsch hat sich bisher nicht festgelegt, ob er noch einmal kandidiert. Den Eindruck, eine Rückkehr Lafontaine sei davon abhängig, ob Bartsch den Posten behalte, wies Gysi zurück. Der Linken-Chef sei doch nicht „kleinkariert“. Im übrigen zeigte sich zumindest die erste Reihe der Partei heute bemüht, nicht noch weiter Öl ins Feuer zu gießen. (tos)